Sharp Practice: Spielbericht

Wieder einmal lud mich Cpt.Shandy zu einer Partie Sharp Practice ein. Diesmal eine pure Kavallerieangelegenheit!

Der gute Captain hatte wieder einmal ein detailliertes Szenario auf der Grundlage historischer Ereignisse ausgearbeitet. So spielten wir Mosby’s Rangers‘ Raid auf Seneca Mills, der am 10. Juni 1863 stattfand.

Skirmish Wargame Sharp Practice
„Col. John S. Mosby, C.S.A.“, by Mathew Brady, 1865, Library of Congress

43rd Bataillon, Virginia Kavallerie, weithin bekannt als Mosby’s Rangers / Raiders / Men, waren eine Kavallerieformation, die um Middleburg, VA, und in Maryland operierte. Zwischen Jänner 1863 und März 1865 führten sie zahlreiche Überfälle durch, wobei sie Blitzangriffe und Schocktaktiken einsetzten und sich nach getaner Arbeit auf das Umland verteilten und mit Hilfe der lokalen Bevölkerung untertauchten.

Uniformen wurden getragen, also gewissermaßen. Zumindest musste ihre Kleidung laut einer Autobiographie eines von Mosbys Männern „etwas Graues“ sein.

Das Szenario

Skirmish Wargame Sharp Practice

Konföderierte Truppen: Maj. John S. Mosby (Status III), Capt. James W. Foster, Lt. Thomas Turner, Lt. George H. Whitescarver (alle Status I), 4 Gruppen Kavallerie (bewaffnet mit einem Haufen Revolvern und der einen oder anderen Schrotflinte oder Karabiner). Force Morale: 11

Unionstruppen: Capt. Charles W. Deane (Status II), Lt. Robert A. Moon (Status I), Lt. John S. Joslin (Status I), 4 Gruppen Kavallerie (bewaffnet mit Repetierkarabinern). Force Moral: 9

Skirmish Wargame Sharp Practice
Capt. Charles W. Deane, Image courtesy of Library of Congress

Eine der Unionsgruppen muss am vorderen Deployment Point (Lager des Wachpostens) auf den Tisch gebracht werden. Wenn es den konföderierten Truppen gelingt, das Lager einzunehmen, bevor dies geschieht, geht eine Unionsgruppe verloren (überrascht und gefangen genommen), und es muss für den Verlust eines primären Deployment Points gewürfelt werden.

Das Ziel beider Seiten ist es, die Force Morale des Gegners auf 3 oder weniger zu reduzieren.

Das Spiel

…begannen etwas seltsam, da wir gleich zu Beginn zwei Kapitelenden hatten. Man könnte also sagen, dass das Spiel eine Weile brauchte, bis es in Bewegung kam.

Frühphase

Hier ist ein Überblick über die frühen Phasen des Spiels:

Skirmish Wargame Sharp Practice

Schnell bringt Cpt.Shandy eine Gruppe über den vorderen Deployment Point in’s Spiel. Als sie sehen, wie sich meine beiden ersten Gruppen nähern, machen sie sich schnell auf den Weg, um hinter Zäunen Schutz zu suchen und meine Jungs mit ihren schrecklichen Karabinern unter Beschuss zu nehmen.

Ich tue mein Bestes um genau das zu verhindern. Zum Glück holen meine Kavalleristen die gegnerische Gruppe ein nachdem diese gerade den Zaun überstiegen hat.

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Mosby’s Rangers feuern wild mit ihren Revolvern, und die armen Unionskavalleristen müssen übel einstecken. Die Überlebenden (zwei Reiter und Lieutenant Joslin) versuchen zu Fuß zu fliehen, werden aber erwischt und gefangen genommen.

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Meine Burschen wollen ihrem Anführer triumphierend die Gefangenen vorführen, müssen aber feststellen, dass ihr Capt.Foster bewusstlos am Boden liegt. Da muss ein Unfall passiert sein. Unter’m Strich ein großer Erfolg, denn es konnte vorzeitig eine ganze gegnerische Gruppe mit minimalen Verlusten ausgeschaltet werden (gut, einen musste ich abstellen um die Gefangenen abzuführen), auf der anderen Seite ist Foster bewusstlos, und aus Erfahrung weiß ich, dass es EWIG dauern kann, bis so einer wieder aufsteht. Bis dahin ist die Gruppe führerlos, was das Aktivieren angeht.

Meine Force Morale liegt zu dem Zeitpunkt bei 10, die meines Gegners bei 5(!).

Mittlere Phasen des Spiels

Zu diesem Zeitpunkt hat Cpt.Shandy seine drei verbleibenden Gruppen auf dem Tisch; Capt.Deane (sein Gesamtkommandant) mit zwei Gruppen von Kavallerie und Lt.Moons Gruppe.

Skirmish Wargame Sharp Practice
Sie haben sogar eine Fahne dabei!

An diesem Punkt bin ich in einer schwierigen Position: ich will unbedingt NICHT in eine Schießerei mit diesen Kerlen und ihren Hinterladerkarabinern am andern Flussufer geraten. Also muss ich weiter den Druck aufrechterhalten, so schnell wie möglich über den Bach gehen und sollte Moons einzelne Gruppe angreifen. Wenn das funktioniert, sollte dies ihre Force Morale auf unter 3 reduzieren.

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Irgendwie sind meine Leuts aber zögerlich, während der Feind absteigt, Stellung bezieht und das Feuer eröffnet. Trotz leichter Deckung hauen diese Salven rein, wobei einige Trooper getötet und eine Menge Schock verursacht werden.

Meine etwas ramponierten Kavalleristen überqueren die Brücke. Sie sind auf der Jagd nach der abgessenen Unionskavallerie, die sich aber geschickt zurückzieht und dabei immer wieder Salven auf die Verfolger abfeuert.

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Der Unionskommandant Capt. Deane weist eine seiner Gruppen an, Kehrt zu machen, um den abgesessenen Kameraden zu helfen, während seine andere Gruppe die andere Brücke abdeckt, bei der meine immer noch führerlose Kavalleriegruppe lauert und darauf wartet, dass ihr niedergeschlagener Chef wieder auf seine Füße kommt. Spoiler: Er steht erst viel später wieder auf, und hatte keine weiteren Auswirkungen auf das Spiel, genauso wie seine Gruppe. Aber bis dahin sehen sie potenziell etwas gefährlich aus.

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Nicht ganz ein Kreuzfeuer, aber allein schon das Ausmaß des Feuers mit dem ich eingedeckt werde, fordert seinen Tribut. Konkret meinen armen Lt. Whitescarver und einige seiner Männer.

Dann tauchen Mosby und seine Kavalleriegruppe ENDLICH auf. Über zwei Phasen galoppierten sie die Straße entlang zu ihren Leuten um dem in’s Stocken geratenen Angriff auszuhelfen. Zu diesem Zeitpunkt ist meine Truppenmoral auf 4 gesunken, Cpt. Shandys Truppen krallen sich mit aller Macht an ihrer Force Morale von 3 oder 4 fest.

Für eine Weile nimmt Mosby die fast aufgeriebene und jetzt führerlose Gruppe unter seine Fittiche, aber das ganze Feindfeuer ist zu viel, und die Gruppe zieht sich hinter ihre Kameraden zurück.

Herumsitzen und versuchen, Schockpunkte zu entfernenwürde nicht hinhauen, also führt Turners Gruppe (was von ihnen übrig ist) einen verzweifelten Angriff gegen die abgesessene Kavallerie aus. Sie leisten sehr gute Arbeit, vertreiben den Feind hinter die Scheune, setzen nach, und der Rest der feindlichen Gruppe wird gefangen genommen.

In der Zwischenzeit stürmt Mosbys Haufen direkt in Richtung der anderen Gruppe im Zentrum…

Skirmish Wargame Sharp Practice

Ein Überblick über diese Spätphase des Spiels:

Skirmish Wargame Sharp Practice
Links seht ihr meine führerlose Gruppe, die auf die Brücke zusteuert (mit dem zuvor betäubten Anführer, der nun über’s Feld versucht zu seinen Leuten aufzuschließen), ganz rechts hat der Rest meiner Kavalleriegruppe die feindliche Gruppe geschlagen und gefangen genommen, in der Mitte haben wir Mosbys Angriff.

Die von Mosbys Gruppe angegriffene Unionskavallerie zerbröselt…

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…und die Flucht führt sie in den Rücken ihrer Kameraden unter Capt.Deane. Das führt natürlich zu viel Chaos in den Rängen.

Skirmish Wargame Sharp Practice

Das Spiel endet mit einer Force Morale von 4 auf Seiten der Konföderierten versus einer Moral von 2 für die Union, was zu einem sehr, sehr engen Sieg der konföderierten Streitkräfte führt.

Nachbetrachtung

Ein weiteres lustiges Sharp Practice Spiel. Für mich war’s das erste Mal dass ich ein komplettes Kavallerieszenario gespielt habe. Viel Bewegung, weniger Sorgen um Formationen und die Salven dort, wo sie am meisten wehtun, zu setzen, viel mehr Sorge um Repetierkarabiner. Viel zu oft sehe ich mich mit den Dingern konfrontiert! 😛

Es ist ein interessantes Szenario und wie so oft bei den Szenarien von Cpt.Shandy basiert es auf historischen Begebenheiten, was es umso interessanter macht. Apropos, hier sind einige Detailaufnahmen von Geländeelementen, mit denen er den Tisch belebt.

Skirmish Wargame Sharp Practice
Skirmish Wargame Sharp Practice
Am Rand des Tisches platziert, aber ein Objekt das Aufmerksamkeit zieht – ein von Maultieren gezogenes Kanaltransportboot.

Jupp, gutes Spiel. Sehr nett. Auch ein sehr knappes Spiel, was die Qualität des Szenarios und der Spielregeln unterstreicht, besonders wenn man die sehr unterschiedlich ausgerichteten Truppen der beiden Seiten berücksichtigt.

Danke für’s Reinschauen! Ich hoffe, dass ihr den Spielbericht interessant und unterhaltsam findet. Sollte es Fragen oder Anregungen geben könnt ihr diese unten in den Kommentaren deponieren, in der Tabletop Stories Facebookgruppe, Battle Brush Studios, der Battle Brush Studios Facebookgrupppe, oder per e-mail!

Ein Gedanke zu „Sharp Practice: Spielbericht

  1. Genialer Spielbericht, der über Epochen und Speilsysteme hinweg inspirierend wirkt.
    Vielen Dank für deine Mühen und bite mehr davon 😀

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