Twilight of Divine Right: Schlacht bei Wittenweiher

Vergangene Woche kam Cpt. Shandy für ein Spiel von Twilight of Divine Right vorbei, um sich das Ganze mal anzusehen.

Da es sich hierbei im Wesentlichen um ein Probespiel zum Erlernen der Regeln handelt, wollte ich das Szenario klein und überschaubar halten. Nach ein bisschen Rumlesen stieß ich auf die Schlacht von Wittenweiher am 9. August 1638.

Hintergrund

1638 hatte Frankreich alle Vorwände fallen gelassen und trat offen in den Krieg ein. Einer der von ihnen gewählten Kommandanten in Deutschland war Bernhard von Sachsen-Weimar.

Twilight of Divine Right Thirty Years War
Bernhard von Sachsen-Weimar, von Christian Richter und Johann Dürr, 1641

Bernhard, mit 13 Jahren verwaist und ein überzeugter Lutheraner, begann seine militärische Laufbahn unter Ernst von Mansfeld und kämpfte ab 1622 für die Sache des protestantischen Aufstandes in Böhmen. Nach einem kurzen Gastspiel in der dänischen Armee war er einer der ersten (und wenigen) deutschen Adligen, die bereits 1630 der Armee von Gustav Adolph beitraten.

Twilight of Divine Right Thirty Years War
Meine Interpretation des Herren in 10mm

In der Schlacht von Lützen befehligte er den linken Flügel. Nach dem Tod des schwedischen Königs übernahm er das Kommando über die gesamte Armee und führte sie zu einem (umstrittenen) Sieg. Während das schwedische Oberkommando ihn mit gemischten Gefühlen betrachtete, galt Bernhard für deutsche Protestanten als glorreiche Figur.

Nach der verheerenden Niederlage der schwedischen Armee (damals unter der Führung von Bernhard und Gustav Horn) bei Nördlingen 1634 war die schwedische Regierung nicht mehr bereit, Bernhard zu unterstützen. So wandte er sich an Frankreich um Unterstützung. Richelieu war bereit, seine Armee von 12.000 Infanteristen, 6.000 Kavallerie- und Artillerieeinheiten zu finanzieren. Im Januar 1638 begann Bernhard eine Kampagne im Südwesten Deutschlands, die mit der Überquerung des Rheins begann. In kurzer Folge eroberte er mehrere Städte, mit dem Ziel, die mächtige Festungsstadt Breisach zu belagern.

Twilight of Divine Right Thirty Years War
Festung Breisach, von Matthäus Merian. Der Feldzug Bernhards 1638 würde sich großartig für eine Tabletopkampagne eignen.

Kaiserliche Truppen unter Marschall Frederigo Savelli und bayerische Truppen unter Johann von Götzen wurden entsandt, um einen großen Versorgungszug in Richtung Breisach zu bewachen. Bernhards Armee bekam davon Wind, folgte ihnen und holte Savellis Armee bei dem kleinen Dorf Wittenweiher ein (das im Laufe der Schlacht völlig zerstört wurde).

Szenario

Das Spiel basiert grob auf Merians Kupferstich der Schlacht, der um 1638 entstand:

Twilight of Divine Right Thirty Years War
Auf Wikipedia gibt’s eine riesengroße Version davon.

Wie so oft bei Schlachtendarstellungen aus dierser Zeit sind Dinge wie Proportionen, Maßstab und relative Positionen wahrscheinlich ziemlich verdreht. Aber dann sind diese normalerweise auch an den Tischen von Wargames auch. Ich hatte nicht viel Zeit, um das Spiel vorzubereiten, und würde wahrscheinlich keine bessere Quelle finden, also verwendete ich diesen Kupferstich als Vorlage.

Was das Gelände angeht gibt’s nur wenig spieltechnisch Bedeutsames. Zur Linken der Protestanten gibt es dichte Wälder, hinter den Katholiken haben wir einen Bach und das Dorf Kappel. Das Feature mit dem größten Einfluss auf unser Spiel ist wahrscheinlich die Straße über das Schlachtfeld, die sich auf einem Damm befindet, so dass es zusätzliche Aktionen benötigt, um es zu überqueren.

Während ich mich bei der Einheitenplatzierung an den Kupferstich gehalten habe, nahm ich mir bei der Art der Einheiten ein paar kleine Freiheiten Für die katholische Seite wählte ich mehr Tercios und Kürassiere, als es wahrscheinlich um 1638 der Fall gewesen wäre. Für die Protestanten wählte ich eine Mischung aus schwedischer und niederländischer Kavallerie. Im Grunde wollte ich ein paar „erkennbare armespezifischen Einheiten“ reinbringen.

Das Ziel des Spiels ist es, den Rückzug der anderen Seite zu erzwingen. Wenn die protestantische Armee gewinnt, bekommen sie die Versorgungswagen in die Hände, die nach Breisach fahren. Das würde natürlich die Einnahme der Festung beschleunigen. Ein kaiserlich-katholischer Sieg wäre ein großer Rückschlag für Bernhards Ambitionen im Südwesten Deutschlands.

Die Armeen

Die katholische Armee hatte an diesem Tag einen zahlenmäßigen Vorteil (18.500 gegenüber Bernhards 13.000; obwohl Götzens Infanterie nicht rechtzeitig zur Schlacht erschienen war). Insgesamt haben sie härtere, aber weniger Einheiten und vor allem weniger Flexible.

Kaiserliche Armee / Armee der katholischen Liga

Rechter Flügel (Savelli): 3x Kürassiere

Zentrum: 3x Tercio, 1x Kürassiere, 1x kleines Regiment Arkebusiere, 2x Kanonen

Linker Flügel (Götzen): 1x Kürassiere, 2x Arkebusiere

Französisch/Schwedisch/Protestantische Armee

Rechter Flügel (Rosen): 2x niederländische Kavallerie, 2x Regiment zu Fuß

Zentrum(Sachsen-Weimar): 4x Regiment zu Fuß (inkl. eines Eliteregiments aus schwedischen Veteranen), 2x niederländische Kavallerie, 2x Kanonen

Linker Flügel (Taupadel): 4x schwedische Kavallerie, 1x Musketierregiment (mit Regimentsartillerie, vorn in den Wäldern)

Wer welche Seite spielen würde wurde ausgewürfelt. Cpt.Shandy würde die protestantische Armee in die Schlacht führen, und ich würde mit den Kaiserlichen dagegenhalten.

Das Spiel

Der Spielbericht selbst wird diesmal etwas kürzer sein, da wir einige Zeit (besonders in frühen Phasen) damit verbracht haben, die Regeln zu diskutieren und so weiter, so dass ich nicht genug Zeit hatte, um viele Fotos zu machen.

Hier ein Überblick über den Tisch beim ersten Spielzug:

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Wie ihr sehen könnt, habe ich die etwas seltsame lineare Aufstellung auch übernommen.

Ihr seht Rosens Kavallerie untene (= protestantische rechte Flanke), die sich auf meine Kavallerie zubewegt, während an der anderen Flanke auch die Kavallerie von Taupadel vorsichtig voranschreitet. Meine Kanonen versuchen, sie zu verlangsamen.

Während dieser Phase des Spiels findet der Großteil der Action jenseits des Dammes statt, zwischen dem rechten protestantischen und dem linken katholischen Flügel.

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Es kommt zu einem Feuergefecht zwischen der niederländischen Kavallerie und meinen Arkebusieren. Die Kürassiere (oben links auf dem Foto) werden von Musketenfeuer der Infanterie erwischt, als sie versuchen, in die Flanke eines von Rosens Kavallerie-Regimenten zu gelangen. Während die Kürassiere irgendwie versuchen aus dieser unangenehmen Situation rauszukommen bekommen sie viel Feuer ab, und fliehen in weiterer Folge schließlich.

Hier ein Überblick dieser frühen Phasen:

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Die protestantische Armee rückt geschlossen vor (einschließlich der aufgeprotzten Kanonen, die später mühsam wieder aufgebaut werden müssen), während ich mich dazu entscheide – und wegen der großen, trägen Formationen gezwungen war – eher sitzen zu bleiben. Mit den Kanonen versuche ich, Taupadels beängstigende schwedische Kavallerie zu meiner Rechten zu behindern und vielleicht sogar einige der Reiter rauszuschießen.

Meine linke Flanke (unten auf dem Foto) rückt vor, um dem feindlichen Angriff zu begegnen, der OK verläuft. Rosens Kavallerie wird zerstört. Eines der Regimenter des Arkebusiere verfolgt sie und rückt nun in der gegnerischen Flanke vor, während die anderen Arkebusiere von der Infanterie vertrieben werden. Ein kleiner Rückschlag. Die Kürassiere versuchen immer noch, sich vom Musketenfeuer zu befreien, doch werden zerschlagen (bzw. zerschossen).

Aufgrund meiner überdehnten Linien und meines zerrupften linken Flügels entsteht eine Lücke zwischen der Mitte und der linken Flanke, der sofort von der Kavallerie des protestantischen Zentrums ausgenutzt wird. Ein Regiment schlüpft durch (trotz milder Anstrengungen des kleinen Arkebusier-Regiments, sie zu behindern), das andere Kavallerie-Regiment (zusammen mit unterstützender Infanterie) trifft auf meine mittleren Kürassiere und ein Feuergefecht entsteht.

Zu meiner Rechten greift die schwedischen Kavallerie an. Zuerst meine Kürassiere (die sich zum Fluss zurückziehen), dann meine arme Artillerie. Diese erweist sich jedoch als etwas standhafter, zumindest für eine weitere Runde. Genügend Zeit für ein weiteres Kürassierregiment, um ihnen zu Hilfe zu kommen.

Twilight of Divine Right Thirty Years War
Kaiserliche Kürassiere und schwedische Kavallerie treffen aufeinander.

Zumindest das Musketierregiment wird schnell niedergeritten, so dass es an dieser Flanke zu einem puren Kavalleriegefecht kommt.

Die Schlachtlinien schrumpfen auf lokale Scharmützel zusammen. Dadurch wird alles etwas chaotischer.

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Von oben nach unten: Die ganze linke Flanke entscheidet, dass sie genug haben, und ich drehe meine Kavallerie, um das Zentrum zu unterstützen. Eines meiner Arkebusier-Regimenter weigert sich jedoch standhaft, sich zu bewegen, was die protestantische Infanterie (aus Böhmen und Brandenburg) für ein hinterhältiges Manöver hält und defensive Formation bildet.

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Das Kavalleriegefecht im Zentrum ist schnell aufgelöst: das eine Kavallerieregiment wird von den Kürassieren aufgerieben, während das Andere (das Durchgebrochene) meine Arkebusiere vertreibt. Daraufhin wenden die Kürassiere und greifen das verbliebene Kavallerieregiment hinter ihnen an.

Das bedeutet, dass das Infanterieregiment, das die nun geflohene niederländische Kavallerie unterstützt hat, frei ist und in die Flanke meines Tercios fallen kann. Dies dürfte den Kampf zwischen ihnen und dem protestantischen Regiment zu ihrer Front erheblich beschleunigen. Der zentrale Tercio kommt ihnen nicht zu Hilfe, weil er unter schwerem Artilleriebeschuss steht.

Twilight of Divine Right Thirty Years War

In die rechte Flanke kommt nun Bewegung: Meine armen Artilleristen geben nun auf, und die feindliche Kavallerie verfolgt sie bis in den Fluss. Zumindest ist das Wasser im August nicht allzu kalt.

Meine Kürassiere wiederum schaffen es, ein weiteres Kavallerie-Regiment zu zerstören. Auf der Jagd nach den fliehenden Reitern prallen sie auf das schwedische blaue Infanterieregiment und werden zurückgeschickt, direkt in die schwedische Kavallerie, die gerade von der Verfolgung meiner Artillerie in den Fluss zurückkehrt. Aufgrund dieser erstaunlichen Verkettung von Ereignissen werden meine Kürassiere zwischen schwedischer Infanterie und Kavallerie hin und her geschleudert. Schließlich bricht die schwedische Linke aufgrund von Verlusten zusammen und zieht sich zurück, was auf einen Schlag all meine Kürassiere frei macht. Sie sind etwas angeschlagen, aber an dieser Stelle sehen sie immer noch gut aus. Sofort rücken sie vor, um die schwedische Infanterie anzugreifen.

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Der rechte Kavallerieflügel möchte das blaue Regiment komplett umschließen und aufreiben. Währenddessen bindet mein dritter Tercio das gelbe Eliteregiment in einem Feuergefecht (links).

Hier die Situation zum jetzigen Zeitpunkt: Einer meiner Tercios bricht schließlich wegen des Flankenangriffs zusammen, selbiges tut aber auch die letzte Einheit der protestantischen Kavallerie. Kurz bevor die Kanonen meinen Tercio im Zentrum zerstören (der hier schräg steht), gelingt es den Arkebusieren von links, sie anzugreifen. Auf der rechten Seite seht ihr die Kürassierregimenter, die das blaue Infanterieregiment angreifen.

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An diesem Punkt beschlossen wir, das Spiel zu beenden. Die Infanterie der protestantischen Armee würde wahrscheinlich noch etwas Schaden anrichten, aber schließlich aufgrund mangelnder Kavallerie wahrscheinlich zusammenbrechen. Es sind einfach weder Flankenschutz, noch Mobilität gegeben.

Ein Sieg für die kaiserlich-katholische Armee!

Nachbetrachtung

Spiele in Zuge derer man die Regeln erst lernt sind nie leicht, aber Cpt.Shandy kam schnell rein. Natürlich dauert’s bisschen, bis man ein Gefühl für die Regeln bekommt, gerade wenn man es nicht gewöhnt ist, größere Schlachten zu spielen.

Twilight of Divine Right Thirty Years War

Da wir relativ wenige Einheiten hatten, gab es nur sehr wenige Möglichkeiten sich Einheiten zur Unterstützung in den Rücken zu stellen.. Besonders bei meiner Kavallerie zeigte sich dies, denn bei jedem fehlgeschlagenen Moralwurf zogen sie sich sehr weit zurück, mussten sich erstmal jedes Mal sammeln, etc.

Nach dem Spiel kamen wir zu dem Schluss, dass es gut funktioniert, Spaß macht und für ein Spiel das Schlachten darstellt ziemlich schnell ist. Wir werden es noch einmal spielen, vielleicht als Multiplayer-Spiel.

Danke für’s Reinschauen! Ich hoffe, dass ihr diesen Spielbericht interessant und unterhaltsam findet. Wenn ihr Fragen habt oder Kommentare – unten ist der Platz dafür! Direkt könnt ihr mich über die Tabletop Stories Facebookseite über Battle Brush Studios, die Battle Brush Studios Facebookseite oder Twitter erreichen!

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