Twilight of Divine Right: Schlacht bei Wimpfen

Vor kurzem hab ich die Schlacht von Wimpfen (1622) ja schonmal gespielt. Nachdem der Tisch schon fertig aufgebaut war und weil ich Geburtstag hatte, wollte ich das Szenario mal mit meinen anderen Lieblingsregeln für die Epoche ausprobieren: Twilight of Divine Right.

Dasselbe Szenario wie beim letzten Mal, andere Spielregeln. Ich habe es hauptsächlich deshalb gemacht, weil ich mich einfach nicht entscheiden kann, welches Regelwerk mir besser gefällt – In Deo Veritas oder Twilight of Divine Right. Mal sehen, ob dieses Spiel die Frage klären kann!

Ich erspare euch diesmal die langatmige Vorgeschichte zur Schlacht und die Biographie Georg Friedrich von Baden-Durlachs, da ich darüber bereits im vorangegangenen Artikel zu dieser Schlacht etwas geschrieben habe. Auch diesmal spiele ich solo, denn soziale Distanzierung ist eine feine Sache, an die wir uns alle brav halten. Jetzt und in der absehbaren Zukunft. Richtig? Richtig.

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Sebastiaan Vrancx – Schlacht bei Vimpfen am 6.Mai 1622 (Quelle: Wikipedia)

Nachdem die Basics geklärt sind wenden wir unsere Aufmerksamkeit dem Szenario zu.

 

Das Szenario

Das hab ich diesmal natürlich direkt dem neuesten Szenariobuch für Twilight of Divine Right, “To the Peace of the Pyrenees”, entnommen.

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Ausgezeichnetes Buch, soweit ich das beurteilen kann.

Ich habe allerdings zwei kleine Dinge am Szenario geändert – erstens habe ich Tilly zum Armeekommandeur des spanisch-ligistischen Heers gemacht, anstatt Cordoba, wie im Buch vermerkt. Denn ich glaube, dass es so eher der Fall war. Könnte mich aber auch irren. Dasselbe gilt für die andere kleine Änderung, die ich vorgenommen habe – ich habe Georg Friedrich von Baden-Durlach zum Kommandeur des badischen Kavallerieflügels gemacht. Das Kommando über died Infanterie überließ ich einem gewissen Generalkommissar Bleickard von Helmstatt. Gibt regeltechnisch nicht wirklich Unterschiede, aber es deckt sich eher mit dem was ich so über die Schlacht gelesen hab.

Am folgenden Bild sehen wir die Aufstellung aus der Sicht der Armee von Baden-Durlach. Oben haben wir die spanisch-ligistische Armee unter Tilly (dahinter am Hügel der Donet-Wald). Rechts haben wir das Dorf Untereisesheim (das in unserem Spiel keine Rolle spielen wird), unten rechts haben wir das Dorf Obereisesheim (das sehr wohl eine Rolle spielen wird). Ganz rechts liegt das Moor/Sumpf um den Böllinger Bach, der zu dem Zeitpunkt Hochwasser führte. Unten haben wir das evangelische Heer von Baden, angeführt von Georg Friedrich von Baden-Durlach, das in Verteidigungsstellungen hinter ihrer Wagenburg sitzt.

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Die Armeen

Der Aufbau ist – wenig überraschend – ziemlich derselbe wie beim vorherigen Spiel. Zwangsläufig werden einige kleine Änderungen vorgenommen und eine andere Nomenklatur verwendet, um den Regeln von Twilight of Divine Right zu entsprechen.

 

Die protestantische Armee Baden-Durlachs

Die Armee ist in zwei Linien aufgestellt: Infanterie hinter der Wagenburg an der Front mit zwei Regimentern in guten Verteidigungsstellungen, die die Flanken verankern. Dahinter haben wir die Kavallerie-Reserve.

Armeekommandeur: Niemand

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Infanterie-Zentrum (Helmstatt):

Hinter der Wagenburg: 5x Späte Tercios, 2x Feldgeschütze

Am Waldrand zur linken Flanke: 1x Regiment (nur Musketiere)

In Obereisesheim zur rechten Flanke: 1x Kleines Regiment

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Kavallerie-Reserve (Baden-Durlach):

6x Kürassiere

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Spanisch-Ligistische Armee

Die katholische Armee ist in zwei großen Kommandos aufgestellt. Córdobas Spanier zur Rechten (wie es ihrem Rang entspricht, denn sie stehen im Dienst eines Königs, während Tillys Armee einem Herzog dient), Tillys Streitmacht zur Linken. Infanterie in der Mitte, die in zwei Linien aufgestellt ist, Kavallerie links und rechts an den Flanken.

Armeekommandeur: Tilly

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Rechter Flügel (Cordoba):

1. Linie: 2x Kürassiere, 2x späte Tercios, 1x Feldgeschütz

2. Linie: 2x kleine Kürassier-Einheiten, 1x kleines spätes Tercio

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Linker Flügel (Tilly):

1. Linie: 1x kleine Arkebusier-Einheit, 3x frühe Tercios, 1x kleine Arkebusier-Einheit, 1x Kürassiere 1x Feldgeschütz

2. Linie: 2x kleines frühes Tercio, 1x kleine Kürassier-Einheit

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Das Spiel

Ohne viel Zeit zu verlieren, bewegen sich die Angreifer auf die Wagenburg zu. Das protestantische Kanonenfeuer ist nicht sehr effektiv dabei, die Tercios aufzuhalten, während sich die katholischen Geschütze auf das mittlere Tercio hinter der Wagenburg konzentrieren.

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Es gibt einen kurzen Halt, als die spanische Kavallerie die linke protestantische Flanke angreift. Die Infanterie hofft auf den Durchbruch der Kürassiere, wodurch der Frontalangriff auf die Wagenburg viel einfacher wäre.

Baden-Durlach kommandiert zwei seiner Kürassiereinheiten hinter der Wagenburg zur Linken, um die Spanier daran zu hindern, genau das zu tun. Den Rest der Kavallerie dirigiert er nach rechts.

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Die protestantischen Musketiere am Waldrand entpuppen sich als Elitetruppen! Sie halten das Feuer bis kurz bevor die Kürassiere sie treffen, und die allererste Salve zerstreut die Reiter vollkommen. Sie fliehen vom Tisch.

Twilight of Divine Right hat diese ziemlich schicke optionale Regel zur Darstellung der Truppenqualität: Jedes Szenario listet Einheiten mit einer Bewertung von (A) bis (E) auf. Entweder zu Beginn des Szenarios oder wenn sie zum ersten Mal einen Kampf sehen (was die Variante ist, die ich bevorzuge), erwürfelt man die tatsächliche Qualität der Einheit (Raw, Trained oder Elite) auf der Grundlage einer Tabelle. Eine Einheit mit der Bewertung (B) wird mit größerer Wahrscheinlichkeit Elite oder zumindest nicht Raw sein als eine Einheit mit der Bewertung (D) zum Beispiel. Eine sehr nette kleine Mechanik, die eine Tagesverfassung einer Einheit vs. ihrer Einschätzung durch den Kommandeur modelliert. Man hat eine allgemeine Vorstellung davon, wie sie wahrscheinlich funktionieren werden, aber man weiß es nicht genau bis es wirklich zum Feindkontakt kommt.

Fest entschlossen, sich durchzusetzen, greifen weitere Kürassiere die Musketiere an. Eine der aus dem Zentrum entsandten Kürassiereinheiten Baden-Durlachs trifft ein und versucht, den Rest der spanischen Kürassiere abzuwehren.

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Allerdings werden die protestantischen Kürassiere zurückgeschlagen. Die spanische Kavallerie verfolgt sie…

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Gepunktete Pfeile stellen Rückzugsbewegungen dar.

… müssen allerdings abdrehen, als die zweite protestantische Kürassier-Einheit auftaucht. Andernfalls könnten sich die spanischen Kürassiere in eine schlimme Zwickmühle wiederfinden, sobald sich die eben geflohenen Kürassiere wieder sammeln.

Eine kleine Einheit spanischer Kürassiere sieht nun eine Lücke in der badischen Linie und versucht frech durchzuschlüpfen, um in den hinteren Teil der Wagenburg zu gelangen. Sie zögern einen Hauch zu lange, was den feindlichen Kürassieren Zeit gibt, sich ihnen zuzuwenden und sie zu vertreiben.

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Die Elitemusketiere, mittlerweile recht mitgenommen, schaffen es eine weitere Einheit Kürassiere abzuwehren und sie zur Flucht zu zwingen.

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Da die spanische Kavallerie die feindlichen Linien noch immer nicht ganz durchbrochen hat und die spanische Infanterie an Ort und Stelle sitzt und nicht viel tut, schickt Tilly nun seine Armee vorwärts. Die gigantischen Tercios beginnen, die Wagenburg frontal anzugreifen. Baden-Durlach sieht nun die Chance für einen Überraschungsangriff und schickt seine Kavallerie gegen Tillys vergleichsweise schwache Kürassiere an der Flanke.

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Die Kavallerie beiderseits bekämpfen einander heftig, doch nach und nach gewinnen die badener Kürassiere die Oberhand.

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Eine der Kürassiereinheiten drängt die kleineren katholischen Schwadrone zurück und macht eines nach dem anderen nieder.

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Derweil hält Tillys letzte Kavallerieeinheit an dieser Flanke. Die in Obereisesheim garnisonierte Infanterie verlässt das Dorf, um der Kavallerie auszuhelfen.

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Das kleine frühe Tercio oben am Bild (gelbe Fahne) wird langsam nervös, nachdem gegnerische Kavallerie an ihnen vorbeiflitzt, doch die schaffen es nicht recht, sich zur Seite zu drehen.

Hier ein Überblick über diese frühe Spielphasen:

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Zur Linken (aus der Sicht des badischen Heers) verfolgen die Kürassiere die fliehenden feindlichen Kürassiere. In der Mitte der Wagenburg beginnt das feindliche Geschützfeuer (man sieht die Batterien oben am Bild mit den kleinen Rauchwölkchen) das Tercio (ebenfalls markiert durch die kleine Rauchwolke) ordentlich mitzunehmen. Rechts rücken Tillys frühe Tercios gegen die Wagenburg vor. Das bayerischen Tercios rechts außen wird als Elite eingestuft. Die kleineren Tercios aus der zweiten Linie folgen dicht hinter der ersten Linie, um zu unterstüzten.

Auf Seiten der Verteidiger wird das zweite (späte) Tercio von rechts, Goltsteins, mit Raw bewertet. Die Geschütze neben ihnen werden vom Feind angegriffen, und die Artilleristen fliehen in Goltsteins Tercio.

Ganz rechts sieht man die beiden kleineren  Arkebusier- und Kürassiereinheiten, die von badener Kürassieren gejagt werden.

Zu diesem Zeitpunkt musste ich eine Pause einlegen, und die Schlacht wurde am nächsten Tag wieder aufgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war ichglaube ich in Runde 14. Die Kampflinien sind zum größten Teil ineinander verzahnt und von nun an würde die Bewegung viel eingeschränkter sein. Was die Kavallerie betraf, sah es für die protestantische Seite nicht schlecht aus, aber noch waren die Flanken nicht entschieden. Zudem hat Baden-Durlach bereits alle seine Reserven in die Schlacht geworfen. Was die Infanterie betrifft, so zögern die spanischen Tercios, die gut verteidigte Wagenburg anzugreifen. Sie wissen, dass sie, abgesehen vom Festungsbonus, sowohl im Beschuss, als auch im Nahkampf gegen die Tercios hinter der Wagenburg das Nachsehen haben. Die Tercios hinter der Wagenburg sind zu einem großen Teil mit Piken bewaffnet, was ihnen im Nahkampf einen Vorteil gegenüber den spanischen Einheiten, die über einen größeren Anteil von Musketieren verfügen verschafft.

Sie halten sich also zurück und warten auf den Durchbruch der großen bayerischen Tercios. Ihre Chancen darauf stehen besser. Sie sind nicht nur einfach viel größer, haben Elitekämpfer in ihren Reihen UND einen Haufen Pikeniere bei sich, sie haben auch viel Flanken- und Rückendeckung.

Die protestantische Infanterie verteidigt sich trotzdem beharrlich. Ihr Kommandeur Helmstatt kämpft gemeinsam mit von Goltsteins Tercio, bei dem es sich hauptsächlich um neu rekrutierte Kämpfer handelt. Mit der Zeit wird die mittlere Infanterie wahrscheinlich von den bayerischen Tercios zermahlen werden. Ihre Hoffnung ruht auf der Kavallerie auf der rechten Seite, die durchbrechen und helfen soll, die feindliche Kampflinie aufzurollen.

In einer überraschenden Wendung der Ereignisse sammelt sich die letzte verbliebene kleinen Arkebusier-Einheit gerade noch rechtzeitig, bevor die verfolgenden Kürassiere sie erwishen und gehen zum Gegenangriff über. Die Kürassiere sind so überrascht, dass sie die Flucht zurück zu den eigenen Linien ergreifen. Die Arquebusiere verfolgen ihrerseits und treffen auf die Garnisoninfanterie von Obereisesheim.

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An der protestantischen rechten Flanke wurden die Dinge also gerade wieder komplizierter.

Währenddessen an der protestantischen linken Flanke: Die badener Kürassiere, die zuvor die kleine spanische Kürassiereinheit umzingelten und die fliehenden Reiter verfolgten, beschlossen, umzudrehen und bei der Bekämpfung der letzten verbliebenen feindlichen Kavallerieeinheit auf dieser Flanke zu helfen, anstatt die feindlichen Linien zu durchbrechen. Ein sehr weiser Zug.

Nach einigem hitzigen Manövrieren gelingt es den beiden mehr oder weniger mitgenommenen Kürassierregimentern, die spanischen Elitekürassiere zu fangen. Die Situation ist extrem unangenehm und die spanischen Kürassiere (die, die es schaffen) fliehen vom Schlachtfeld.

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Die Protestanten gewinnen die linke Flanke, und der Flügel Córdobas droht zusammenzubrechen. Die Soldaten haben jedoch volles Vertrauen in ihren fähigen Kommandanten und beschließen, ehrenhaft weiterzukämpfen.

Da nun keine gegnerische Kavallerie mehr in der Nähe unterwegs ist werden die protestantischen Musketiere aus am Waldrand etwas vorwitzig. Sie beschließen, ihre Stellung zu verlassen und die Flanke der spanischen Infanterie zu bedrohen. Um deutlich zu machen, dass die spanische Infanterie von schweizer Söldnern (von denen hatte Baden-Durlach nicht wenige in der Armee) nicht beeindruckt ist, schreitet der kleinere Reservetercio ein und vertreibt die Musketiere mit einer gut gesetzten Salve.

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Die Arkebusiere hinten links sind Teil von Tillys Reserve. Die sind herübergekommen, um die badener Kürassiere am Durchbruch zu hindern.

 

Hier ein Überblick über diese Phase des Spiels:

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Von unten nach oben:

.) Rechts seht ihr, wie die beiden protestantischen Kürassiere die spanischen Elite-Kürassiere vom Feld verabschieden.

.) Links sieht man das kleine Reservetercio (rote Fahne), die in die Flanke ziehen, um die Lücke zu schließen und die nun freie feindliche Kavallerie am Durchbrechen zu hindern. Am Weg dorthin haben sie die schweizer Musketiere vom Schlachtfeld vertrieben. Sie kleine Arkebusier-Einheit, die von der Mitte anrückt, hat den gleichen Plan.

.)  Unbeeindrucks davon, dass die Kavallerie ihre Aufgabe nicht erfüllt hat, ziehen die spanischen Infanteristen schließlich in den Kampf, um zu zeigen, warum sie der wichtigste Arm der spanischen Armee sind.

.) An Tillys Flügel gelingt es dem Reservetercio schließlich, sich ebenfalls in Richtung Flanke zu bewegen und umzudrehen, um sich gegen mögliche feindliche Kavallerieangriffe zu verteidigen. Gerade noch rechtzeitig…

.) … denn das kleine Kontingent von Arkebusieren an der Flanke wird endgültig geschlagen (rot-gepunkteter Pfeil). Eine der badener Kürassierbrigaden bricht durch und greift sofort die bayerischen Geschütze an. Die spanisch-bayerischen Geschütze haben nämlich dem mittleren Tercio hinter der Wagenburg mittlerweile unangenehme Verluste beigebracht.

Schließlich kann Goltsteins spätes Tercio nicht mehr Stand halten. Die Rekruten sind am Ende den erfahrenen bayerischen Soldaten und ihrer ganzen Unterstützung nicht gewachsen. Schlimmer noch, der Flügelkommandant Helmstatt beim finalen Angriff getötet!

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Nach einigem Chaos tritt Regimentskommandant Graf Otto Ludwig von Salm hervor, um die Linien zusammenzuhalten, aber es ist von Anfang an klar, dass die große Aufgabe den schneidigen jungen Adeligen etwas überfordert.

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Otto Ludwig Graf von Salm, Wild- und Rheingraf zu Kyrburg und Mörchingen, Kupferstich von Merian. (Quelle: Wikipedia)

So wenig bemerkenswert sein Wirken bei Wimpfen auch war, später wurde er Kommandant unter dem dänischen König und später unter Gustav II. Adolph, dem König von Schweden. In den frühen 1630er Jahren wurde Otto Ludwig zeitweise einer der erfolgreichsten Kommandeure des Krieges. Nach dem Tod Gustav Adolphs wurde er zum Gouverneur des schwedisch besetzten Elsass ernannt, wo er mehrere Aufstände gegen die plündernden Besatzer niederschlug und 1600 Bauern in Dammerkirch massakrieren ließ. Obwohl er der verheerenden Niederlage von 1634 erfolgreich fern blieb, wandte sich das Schicksal gegen Otto Ludwig. Er erlebte einige militärische Niederlagen und starb im Oktober 1634 schließlich an der Pest.

…aber im Moment ist er Kommandeur des Infanterie-Zentrums der Armee Baden-Durlachs. Und im Moment ist seine Hauptsorge, dass gerade eine große Lücke in der Verteidigungslinie entstanden ist.

Es gibt aber auch gute Nachrichten für die protestantische Seite. An der rechten Flanke wird die letzte Kavallerieeinheit Tillys vernichtet, und einen geglückten Flankenangriff bröckelt sogar das eine Reserventercio.

Dies erregt die Aufmerksamkeit eines der Haupttercios (blaue Fahne, links) von Tillys Armee. Sie wenden sich zur Flanke und machen sich bereit, alles was sich ihnen in den Weg stellt wegzuräumen.

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Hier ein weiterer Überblick:

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Abermals von unten nach oben:

.) Das spanische Ersatzregiment (rote Fahne) schwenkt ein, um die Lücke zu schließen. Protestantische Kürassiere laufen Angriffswellen gegen die Spanier, doch werden für’s erste abgewehrt.

.) Die kleine Einheit von Arkebusieren dreht sich um, um irgendwie die protestantischen Kürassiere abzuwehren, die von der linken Flanke (aus katholischer Sicht) durchbrachen, die Artillerie außer Gefecht setzten und nun der spanische Infanterie in den Rücken fallen wollen.

.) Die spanische Infanterie rückt gegen die protestantischen Verteidiger vor. Das (aus protestantischer Sicht) äußere linke Regiment erweist sich an diesem Tag als außergewöhnlich fähig (Elite-Rang trotz der Einstufung als D).

.) In der Mitte halten bayerische Einheiten den Druck aufrecht. Nach dem anhaltenden Artilleriefeuer ist die protestantische Infanterie in einer solchen Verfassung (und der Tatsache, dass direkt neben ihnen riesige Terzios durchbrechen), dass sie beschließt, sich von der Frontlinie weg und rückwärts zu bewegen. Katholische Infanterie rückt an, um auch in dieser neu entstandenen Lücke in die Wagenburg einzubrechen.

.) Das bayerische Tercio, das Goltsteins Brigade vertrieben hat, schafft es in die Wagenburg. Jetzt versuchen sie, sich zu ordnen, sich zur Seiten umzudrehen und die Verteidiger von der Flanke aufzurollen.

.) An der rechten protestantischen Flanke wurde gerade das Reserventercio niedergekämpft. Angesichts der Tatsache, dass der Feind so gut wie keine Kavallerie mehr hat (abgesehen von der kleinen Arkebusiereinheit in der Mitte), können sie nach Belieben agieren. Allerdings ist die feindliche Infanterie nach wie vor eine große Gefahr, und die protestantischen Kürassiere sind von früheren Kämpfen schon mitgenommen. Dennoch bricht eine weitere dieser Einheiten durch und versucht, Druck auf die spanische Infanterie auszuüben. Den ganzen spanischen Flügel zu verlieren, würde es für Tilly sehr, sehr schwer machen, den Kampf weiterzuführen.

Nach einigen Angriffen gelingt es der protestantischen Kavallerie sogar, die spanische Reservebrigade in die Flucht zu schlagen:

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Kaum sieht es an einer Flanke gut aus, kommt es an der anderen wieder zu Rückschlägen:

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Das ganz rechte protestantische Tercio bricht schließlich unter dem Druck des bayerischen Elite-Tercios (Schmidt, nehme ich an) zusammen. Die Bayern sind ebenfalls durch das wiederholte Anrennen gegen die badener Stellungen stark mitgenommen, stehen aber so fest wie eh und je. Jetzt versuchen sie, auch in die Wagenburg einzubrechen, um die ganze Angelegenheit zu beenden. Doch da melden sich gegnerische Kürassiere in ihrer Flanke (rechts im Bild).

Währenddessen brechen am anderen Ende der Verteidigungslinie beide spanischen Terzios (mit ein wenig Hilfe protestantischer Kürassiere) zusammen.

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Der Flügel Cordobas ist völlig zerstört. Sie kämpften trotz schwerer Verluste tapfer weiter, aber am Ende reicht es nicht im Angesicht der schweren Befestigungen und des Unwillens der Verteidiger, nachzugeben. Dennoch befinden sich jetzt eine ganze Reihe bayerischer Einheiten in der Wagenburg, und die loszuwerden wird bestimmt nicht einfach.

In einem Manöver, das Napoleons Garde beeindrucken würde, formt die badener Infanterie in kürzester Zeit eine ganz neue Schlachtlinie. Ich glaube, ich habe bei diesen Aktionstests fünf 6er in Folge gewürfelt, damit die späten Tercios dieses Manöver durchziehen konnten.

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Ein weiterer Überblick, denn jetzt kommt wieder Bewegung in die Sache:

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.) Unten links sieht man, wie die verbleibende protestantische Infanterie sich umdreht und eine Kampflinie aufbaut, die von Kavallerie unterstützt wird. Die Kavallerie ist zu diesem Zeitpunkt ziemlich mitgenommen, das Tercio auf der rechten Seite hält nur deshalb zusammen, weil von Salm (der Ersatzinfanteriekommandant) bei ihnen ist, aber sie haben die gelbe Brigade, auf die sie sich verlassen können, und die Hessen auf der linken Seite sind ebenfalls in guter Verfassung. Die eröffnen das Musketenfeuer auf das kleine bayerische Tercio, das gerade in die Wagenburg eingebrochen ist, und nun Schwierigkeiten hat, sich so zu ordnen damit sie sich dem Feind zuwenden können. Das große bayerische Tercio in der Mitte (weiße Fahnen) ist sich nicht sicher, ob sie den Feind vor sich angreifen sollen oder nicht, während ihre Kameraden unter Beschuss sind und das Feuer nicht richtig erwidern können.

.) Auf der linken Seite der Wagenburg haben wir an dieser Stelle ein ziemlich offenes Feld. Zwei von Baden-Durlachs Kürassierbrigaden schwirren herum, ebenso wie die letzte kleine Arkebusier-Brigade von Tilly. Im Moment eilen alle zurück an die Flanke bei Obereisesheim (am Bild oben). Die Kürassiere links unten sind a.) ziemlich mitgenommen, und b.) ziemlich zufrieden mit sich selbst, nachdem sie alle feindlichen Geschützbatterien ausgeschaltet haben. Deshalb weigern sie sich, sich für den Rest des Spiels zu bewegen oder gar umzudrehen. Sie sehen ihren Job als erledigt an.

.) Oben auf dem Bild haben wir die Flanke bei Obereisesheim. Das große katholische Elite-Tercio wehrt gerade einen Flankenangriff protestantischer Kürassiere ab und wirft sie über einige Felder zurück. Das andere frühe Tercio (verschwommen, oben in der Mitte; blaue und weiße Fahnen) ist in einer etwas blöden Position: Zu ihrer Front steht das sehr leicht zu besiegende Garnisonsregiment von Obereisesheim, aber sie haben eine Brigade feindlicher Kürassiere in der Flanke, so dass sie sich nicht auf die feindliche Infanterie zubewegen können, und die feindlichen Kavallerie in ihrer offenen Flanke macht sie sehr nervös. Zwar haben sie noch kaum Verluste zu beklagen, doch sie schaffen  es nicht, sich der Kavallerie zuzuwenden um sie zu verscheuchen, und müssen deswegen sitzen bleiben und Moralwürfe absolvieren. (Sie sitzen in der Zone of Control der Kürassiere, dürfen sich also nur entweder direkt auf die Kürassiere zu- oder von ihnen wegbewegen.)

Die katholischen Arkebusiere kommen von der anderen Flanke, um die lästige Kavallerie aus ihrer Flanke zu vertreiben, aber die Kürassiere halten an ihrem Plan fest, das frühe Tercio festzunageln. Dies wird wahrscheinlich dazu führen, dass die Kürassiere in der Flanke von den Arkebusieren angegriffen werden (oder zumindest beschossen werden; beides schlecht), aber sie beschließen, es auszusitzen.

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Inzwischen kommen auch die Kürassiere von der anderen Flanke an. Sie greifen jedoch nicht die Arkebusiere an, sondern führen einen koordinierten Angriff in die Front und den Rücken des bereits angeschlagene Elite-Tercio. Das Ziel des badener Heeres ist es jetzt schnell möglichst viel Schaden anzurichten und so Tillys Heer zur Aufgabe zu zwingen. Dabei sollten sie selbst jedoch keine Einheiten verlieren, denn sonst kann es schnell passieren, dass Baden-Durlach den Rückzug befehlen muss.

Während der ganzen Schlacht blieb das Tercio Schmidt standhaft und schlugen die feindlichen Einheiten links und rechts in die Flucht, aber das ist nun zu viel. Der Zusammenhalt der riesigen Formation bricht unter dem Druck zusammen, es gibt keinen Fluchtweg und sie werden niedergemacht.

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Als er sieht, wie sein bestes Tercio geschlagen wird, wird Tilly klar, dass die Jungfrau Maria ihnen heute keinen Sieg bescheren würde, und befiehlt den Rückzug. Es ist ein knapper Sieg für die Armee Georg Friedrich von Baden-Durlachs.

 

Nachbetrachtung

Das Spiel dauerte satte 23 Runden, und ca. ab Runde 7 war es eine echte Zitterpartie:

Die protestantische Armee gewinnt das Kavalleriegeplänkel an der linken Flanke – ein Reserve-Tercio zieht ein, vertreibt die Musketiere, und schlägt die Kavallerie beinahe.

Der Kavallerieangriff von Baden-Durlach auf der rechten Seite (der in der historischen Schlacht auch schon ziemlich früh stattfand und bis zu einem gewissen Punkt gut funktionierte) entledigt sich ebenfalls der feindlichen Kavallerie, aber kurz bevor die protestantischen Kürassiere durchbrechen, gelingt es den Tercios, sich umzudrehen, und die Dinge an dieser Flanke sind plötzlich wieder sehr fraglich.

Der spanische Infanterieangriff wird zerschlagen, während gleichzeitig bayerische Truppen die rechte Seite der Verteidiger wegräumen und durchbrechen. Bevor sie diesen Sieg gegen die protestantische Infanterie ausnutzen können, werden diese plötzlich zu Preußen Mitte des 18. Jahrhunderts und bauen sich zu einer wunderbaren und vollkommen neuen Schlachtlinie um. Vielleicht hat dieser Otto Ludwig von Salm doch etwas drauf..

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In der Mitte der Partie dachte ich: „Wow, diese frühen Tercios sind einfach nur Bestien!“. Zumindest in Situationen in denen die frühen Tercios auf eine statische Verteidigungsstellung ausgerichtet sind und nur drauf warten, dass ein Kerl mit großem Hut und großen Hosen „Los!“ ruft.

Sobald es daran geht, sich umzudrehen, auf gegnerische Bewegung zu reagieren, und so weiter sieht man die Nachteile dieser großen, behäbigen Formationen.

So oder so, es war sehr schön wiedermal Twilight of Divine Right wieder zu spielen. Obwohl ich ein Jahr lang nicht gespielt hatte, hab ich schnell wieder reingefunden. Ich weiß, dass die beiden großen Tabellen (Kampfmodifikatoren und Aktionstests) ein paar Leute abschrecken, aber ich finde, dass die in der Praxis garkein Problem sind.

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Was haben wir also gelernt, nachdem ich dasselbe Szenario sowohl mit Twilight of Divine Right, als auch mit In Deo Veritas gespielt habe? Gar nichts. Mir gefallen beide Regelwerke sehr gut. Es sind sehr unterschiedliche Zugänge. Wenn überhaupt, würde ich jedem empfehlen, sich beide zu besorgen und auszuprobieren.

Es ist eigentlich komisch, wie unterschiedlich die beiden Regelwerke an die Epoche herangehen. Zugegeben, ToDR deckt offiziell einen engeren Zeitrahmen ab (1618-1660er Jahre, aber sie können problemlos zumindest für 1600 bis 1680er Jahre verwendet werden. IDV deckt das gesamte 17. Jahrhundert ab, und dieser Zeitrahmen kann ebenfalls erweitert werden) und geht viel detaillierter auf Dinge wie Piken-zu-Musketen-Verhältnis, verschiedene Kavallerie-Doktrinen/Taktiken usw. ein. IDV arbeitet etwas mehr mit der Kommandostruktur und der Aktivierung, ebenso wie mit den detaillierteren Regeln für Unordnung, Flügelkohäsion und netten kleinen Extras wie der schönen Sache mit der Verfolgung nach der Schlacht. Das Moralsystem von Flügeln und der Gesamtarmee in ToDR ist einfacher gehalten.

Tatsächlich legen diese Regelwerke ihre Schwerpunkte auf ganz unterschiedliche Dinge. IDV baut den „Fog of War“/die Friktion in Flügelaktivierung und Flügelbefehle ein. In ToDR findet sich die Friktion in der Bewegung einzelner Einheiten. Kampf selbst in IDV ist einfacher und etwas vorhersehbarer als in ToDR, aber im Vergleich dazu fehlt es ihm an Tiefe. Die Moralregeln von ToDR sind einfacher als die in IDV. Ich denke, es wäre nicht schwer, Teile aus einem der beiden Systemen zu nehmen und sie in das andere System einzubauen. Man könnte sie sogar so nehmen, wie sie sind, und sie quasi übereinanderlegen.

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(Quelle: DragonballSupers.com, Copyright: Bird Studio/Shueisha)

Einheitenklassifikationen aus ToDR, Befehle/Aktivierung/Kommandoreichweiten aus IDV, Bewegung aus ToDR, Schießen/Kampf aus ToDR, Flügel-/Armee-Moral und Verfolgung aus IDV. Ich vermute, das würde die maximale „Masse“ entwickeln. Oder, für eine möglichst leichte Variante: Einheitenklassifizierung von IDV, Aktivierung von ToDR, Bewegung von IDV, Kampf/Schießen von IDV, Flügel-/Armee-Moral von ToDR.

Am Ende ist das alles nicht so wichtig. Beide Regelwerke ergeben meiner Ansicht nach ein gutes Spiel. Nach den letzten paar Spielen war ich fast überzeugt, dass mir IDV besser gefällt, jetzt habe ich wieder ToDR gespielt und mich daran erinnert, warum ich so ein großer Fan diese Regeln bin. Für IDV spricht natürlich, dass in dem Buch viele Bilder meiner Figuren und hinten eine große alte Anzeige für Battle Brush Studios zu finden sind. 😉 Auf der anderen Seite ist ToDR, so finde ich, verständlicher geschrieben und formuliert. Es ist verrückt, wie unterschiedlich diese beiden sind, und doch bieten beide ein gutes Spielerlebnis, das die Kriegsführung der Epoche gut repräsentiert.

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Ursprünglich hatte ich geplant, dasselbe Szenario auch mit Baroque zu spielen (und möglicherweise Tilly’s Very Bad Day), aber mir fehlt einfach die Zeit. Für diese Spiele brauche ich sehr lange, das Schreiben der Schlachtberichte dauert noch länger. Aber ich hoffe, dass ich auch Baroque noch einmal spielen kann. Ich habe ein schlechtes Gewissen wegen dieser Regeln, weil sie so oft übersehen werden (das Gleiche gilt eigentlich auch für Impetus). Naja. Mal sehen.

Jedenfalls hoffe ich, dass euch die Schlacht von Wimpfen (wieder) gefallen hat. Haben ihr einen besonderen Favoriten der Regeln des 17. Jahrhunderts?

6 Gedanken zu „Twilight of Divine Right: Schlacht bei Wimpfen

  1. bin sehr begeistert, super Setting. Der historische Hintergrund sehr schön erklärt. Sehr schön geschrieben.

  2. Hallo,
    klasse Bericht. Die historische Einleitungen deiner Berichte sind auch sehr lesenswert.

    Nachhaken will ich jedoch wegen dem gelungene Tisch. Ist das Gelände darauf fix verbaut oder modular bis zu einem gewissen Grad. Der Tisch mit den schönen Minis kommt sehr gut rüber.

    1. Allerbesten Dank, Nasca. Freut mich. Ich hab immer bisschen Sorge, ob a.) der ganze Kram überhaupt irgendwen interessiert, und b.) ob das Ganze überhaupt irgendwie lesbar bzw. zu verfolgen ist während man’s durchliest.

      Das Gelände ist alles nur aufgebaut. Matte, darunter Zeugs um Hügel zu modellieren, und oben drauf eben das Gelände. Wenn du mehr drüber erfahren willst, wie ich’s gemacht hab, usw. kannst du hier nachlesen (leider nur auf englisch): https://www.battlebrushstudios.com/2018/04/6mm10mm-terrain.html
      Bzw. hier mein Review zu einigen der Gebäude: https://www.battlebrushstudios.com/2019/12/review-leven-miniatures-6mm-buildings.html

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