Song of Drums and Shakos: Eskorte

Heho, ich hoffe, es geht allen mächtig gut. Hier ist mein erster Spielbericht für Song of Drums und Shakos. Geleitschutz im schönen Tirol im Jahre 1809.


Song of Drums and Shakos ist ein Regelwerk für flotte napoleonische Skirmishspiele, die zwischen 6 bis 20 Kämpfern pro Seite ausgetragen werden. Eine Einführung in die Regeln sowie meinen Review findet ihr hier.

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Das Szenario

Mai 1809, Tirol. Eine kleine österreichische Abteilung wurde von Feldmarschallleutnant Chasteler entsandt, um sich mit tiroler Widerstandskämpfern in Verbindung zu setzen. Mit mit Gepäck sind Versorgungsgüter, Material und Befehle aus Wien. Sollte eine einfache Aufgabe sein – schönes Wetter, frische Luft, eine kleine Wanderung durch Tirol. Die perfekte Aufgabe für eine Handvoll regulärer Infanteristen mit wenig Kampferfahrung und eifrigen, aber unerfahrenen Landwehrmännern. Was sie nicht wissen ist, dass französische Kavallerie-Späher den Wagen entdeckt haben. Sofort erstatten sie Meldung, schnappen sich jeden, der nicht schnell genug beschäftigt aussieht, und bereiten einen Hinterhalt vor, um den Wagen einzukassieren…

Ich habe dieses Szenario direkt aus dem Ergänzungsbuch More Drums and Shakos entnommen. Es geht ganz darum, dass eine Seite einen Wagen über den Tisch eskortieren muss, während die andere Truppe in zwei Teile geteilt wird und von den Waldrändern aus aus dem Hinterhalt angreift.

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Das Ziel von Rot (Österreicher) ist es, den Wagen entlang der Straße von der gegnerischen Tischkante wegzubewegen, das Ziel von Blau (Franzosen) ist es, sie daran zu hindern.

 

Die Streitmächte

Die Österreicher

Die zur Eskorte des Wagens entsandte Truppe besteht aus einem Infanterieoffizier (Hauptmann Föttinger), 5 Linieninfanteristen, 2 Rekruten der Linieninfanterie, 6 Landwehr-Infanteristen (Klagenfurter Landwehr) und ihrem Gefreiten (Obergefreiter Strutz).

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Die Franzosen

Die französische Truppe ist in zwei Gruppen aufgeteilt: Die erste besteht aus zwei Grenadieren, einem Voltigeur und einem Gefreiten (Caporal Chalet). Die zweite Gruppe besteht aus einem Offizier (Sous-Lieutenant Rembert) und drei Chasseurs á Cheval (Jägern zu Pferd).

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Jede der beiden Gruppen wird in einem der bewaldeten Gebiete aufgestellt. Da es sich um ein Solospiel handelt, beschloss ich, nach dem Zufallsprinzip zu bestimmen, in welchem sie sich positionieren würden, sobald der Hinterhalt stattfinden würde.

Dies war eigentlich die Feuertaufe für all diese Figuren. Ich hatte die Franzosen vor ein paar Jahren größtenteils nur zum Herzeigen und als Übung bzw. für Reviews (Vergleichsreview von Perrys- und Warlordfranzosen bzw. dem Review zu den neuen Plastik-Chasseuren von den Perrys) und ein großes Waterloo-Spiel gemalt das wir mal für die VIVAT veranstaltet haben. Die Österreicher sind Teil meiner Sharp Practice-Truppe. Zu der schreib ich zu einem späteren Zeitpunkt nochmal was.

 

Das Spiel

Am Tisch sah das Ganze dann so aus:

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Die gelbe Linie zeigt das Ende des Spielfeldes an. Die Weggabelung kennzeichnet lediglich die Ergebnisse des Spiels. Kommt der Wagen kommt durch, biegt er nach links ab, fährt über die Brücke: Die Österreicher haben gewonnen. Tatsächlich muss er aber nur über die gelbe „Ziellinie“ fahren.

Frühphase des Spiels

Der Konvoi betritt den Tisch, angeführt von der Landwehrgruppe und ihrem Gefreiten Strutz. Sie plaudern, singen, schwingen ihre Musketen. Strutz tut sein Bestes, um seine Leute ruhig und geordnet zu halten, aber mit wenig Erfolg. Auf diese Weise wird die „richtige“ Infanterie sie nie ernst nehmen.

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Bitte ignoriert die seltsame Kleidung des Zivilisten, der den Wagen fährt. Nicht jeder hat das Modeverständnis, sich eine grüne Jacke mit roten Umschlägen anzuziehen, und einen großen Zylinderhut mit Lametta drauf aufzusetzen.

Die Mannen vom IR 15 „Lusignan“ folgen. Hauptmann Föttinger gibt gut acht, dass seine Untergebenen sich extradiszipliniert geben um einen guten Eindruck zu machen.

 

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Der Wagen bewegt sich in einem gemütlichen Tempo über den Tisch. Der einzige, der wirklich besorgt ist, ist der Wagenführer, der den Wald zu seiner Linken ständig auf Bewegung überprüft.

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Mittelphase des Spiels

Sie legen etwa 2/3 des Weges zurück…

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War da was in den Wäldern unten links und oben rechts?

…als französische Infanterie aus den Wäldern nach links hinter dem Wagen auftaucht!

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Die beiden Grenadiere, der Gefreite und der Voltigeur tauchen auf.

Die Männer sind etwas verstimmt. Ursprünglich sollten sie heute nur leichten Dienst tun und hatten sich auf einen gemütlichen Tag eingestellt, als diese hitzköpfigen Chasseure in ihr Lager gestürmt kamen und sie aufscheuchten wegen dieses Angriffs.

Von hinter dem Wald an der Kreuzung aus schießen die Chasseure nun auf die Landwehrmänner zu. Mit Säbelrasseln und großem Geheul geht ihr Anführer geradewegs auf den armen Obergefreiter Strutz los, ein anderer stürmt auf die beiden Männer an seiner Seite zu. Der dritte Reiter quert in seinem Sturmangriff die Straße (während sich die Zugpferde aufbäumen) und schlägt mit seinem leichten Kavalleriesäbel auf den Landwehrmann dahinter ein.

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Keiner der angegriffenen Infanteristen flieht auf der Stelle (vielleicht sind sie zu erschrocken), aber es ist auch keiner von ihnen geistesgegenwärtig genug, um mit seiner Muskete auf die Kavallerie zu schießen.

Während sein Geleitschutz im Nahkampf verstrickt ist, treibt der Fuhrmann seine Pferde an:

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Er kommt nicht allzu weit, aber da sie so weit gekommen sind bevor der Feind zuschlug, ist er sehr nahe dran, den Spielbereich zu verlassen. Nur noch ein oder zwei Aktionen, und er ist in Sicherheit!

Währenddessen verwundet der erste Chasseur (ausgestreckter Schwertarm, Mitte) Unteroffizier Strutz und der Grünbejackte ist aus dem Spiel. Der zweite Chasseur (am Bild rechts) wirft einen seiner Gegner zu Boden, während der andere noch versucht, den wilden Reiter abzuwehren. Hinten im oberen Teil des Bildes seht ihr Sous-Lieutenant Rembert, der den Chasseuren den Angriff befiehlt.

Hier ist ein Überblick über die ersten Momente des Hinterhalts:

 

 

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Vorne findet der Nahkampf zwischen den Chasseuren und der Landwehr statt, der Wagen bewegte sich ein wenig vorwärts. Man kann auch sehen, was in der Zwischenzeit mit der Nachhut passiert: Die Grenadiere und stacheln den Voltigeur an, dass er auf diese Entfernung sicherlich keinen der Kaiserlichen treffen könne. Voltigeur Oeilbois nimmt die Herausforderung an und das Ziel ins Visier, schießt, und einer der österreichischen Rekruten geht zu Boden.

Tatsächlich ist der junge Wehrpflichtige nicht verwundet, sondern wirft sich zu Boden. Und dort bleibt er auch die nächste Weile.

Die Österreicher haben angesichts des plötzlichen Gewaltausbruchs große Schwierigkeiten, irgendeine Art der Verteidigung zu organisieren. Sous-Lieutenant Rembert versucht, das Überraschungsmoment voll auszunützen und den Wagen am Entkommen zu hindern. Deshalb schreit er den führenden Chasseur an, sofort Kehrt zu machen und den Wagen anzuhalten. Hier sehen wir genau das. Der Wagenlenker versucht noch, von seinem Pferd abzuspringen.

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Zu spät; wird er durch den Säbel des Kavalleristen verwundet, sackt neben dem Wagenrad zu Boden und versucht seine Wunde zu versorgen. Der Wagen bewegt sich erstmal nicht mehr weiter. Ein unverletzter Soldat müsste aufspringen und den Wagen selbst antreiben.

Dann passiert noch etwas Schlimmes: Der dritte Chasseur auf der anderen Straßenseite tötet auf sehr dramatische Weise einen seiner Gegner. Das ist zu viel für die grünen Männer. Die vier Landwehrmänner, die noch auf den Beinen sind, fliehen, so weit sie können. Zwei laufen direkt vom Tisch, zwei weitere (unten rechts) fliehen in Richtung der rechten Tischkante.

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Landwehr kommen mit den besonderen Merkmalen Unreliable und Green (nicht nur wegen der Jacken. 😛 ). Wenn ein Kämpfer der eigenen Seite, die sich in ihrer Nähe befindet, von einem Gegner sofort ausgeschaltet getötet wird, müssen Truppen mit der Sonderregel Green Moraltests würfeln. Die Linieninfanterie hinter ihnen ist von den Ereignissen nicht beeindruckt (weder vom Mord noch von den fliehenden Kameraden).

Nun, nicht ganz. Voltigeur Oeilbois schießt erneut auf die Formation, und dieses Mal findet die Musketenkugel ihr Ziel – ein Linieninfanterist wird auf der Stelle getötet. Der eine Rekrut der auf den Beinen ist (ebenfalls Green), den sie bei sich haben (der andere liegt auf der Straße, als er dem ersten Schuss des Voltigeur ausweicht) entscheidet ebenfalls, dass dies zu viel für ihn ist, und zieht sich ebenfalls zurück.

Als hätten sie nur auf eine freie Schusslinie gewartet gibt das erste Glied (= 2 Kerle) der österr. Linieninfanterie eine Salve ab. Der Chasseur, der eben noch auf einen unglücklichen Landwehrmann eingehackt hatte, und sein Pferd werden schwer verwundet.

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Der Reiter ist nicht wirklich explodiert. Den schwarzen Rauch habe ich nur des Effektes wegen hinzugefügt. Das selbe gilt für die Feuerposen bei allen Infanteristen unten; in der Tat haben nur zwei gefeuert.

Nur zwei der vier Soldaten schossen, da Hauptmann Föttinger befohlen hatte, zu schießen und nachzuladen (= der Gruppenbefehl Shoot and Reload). Die Schützen geben die leergeschossenen Musketen zum Nachladen an ihre Kameraden hinter sich zurück, während die geladenen Musketen aus dem zweiten Glied nach vorne gereicht werden. Auf diese Weise ist die erste Reihe sofort wieder schussbereit.

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Daraufhin wird mit einer zweiten Salve ein weiterer Chasseur niedergestreckt, als er versucht die verstörten Landwehrmänner, die eben noch am Fliehen waren, zu verfolgen.

 

Spätphase des Spiels

Das könnte die Wende für die Österreicher bringen. Einer der beiden verbliebenen Landwehrsoldaten  dreht sich um und stellt sich dem Feind.

Der letzte verbliebene Chasseur erwartete sicherlich keinen Widerstand mehr von den grün gekleideten Männern mit den seltsamen Hüten. Der Landwehrsoldat schießt, das Pferd erschrickt, und der Chasseur wird zu Boden geworfen.

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Plötzlich fühlt sich Sous-Lieutenant Rembert sehr allein und verletzlich.

Diese eine Aktion veranlasst die anderen ehemals im Rückzug befindlichen Soldaten (ein weiterer Landwehrsoldat und der Linieninfanterierekrut), sich um den heldenhaften Landwehrmann zu scharen, und bilden eine bunte Formation.

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Hier ein Überblick:

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Links seht ihr das ehemals auf dem Rückzug befindliche Kollektiv aus Landwehr und dem Rekruten der Linieninfanterie. Die größere Formation der Linieninfanterie ist immer noch auf der Straße und lädt derzeit eifrig Musketen nach. Auf der rechten Seite wird es den französischen Grenadieren zu langweilig, im Gebüsch zu sitzen, und sie gehen hinaus, um den Feind anzugehen und vielleicht das Feuer von dem gestürzten Chasseur und ihrem Offizier abzulenken. Der Voltigeur und der Gefreite halten sich im Wald zurück und schießen weiter auf die österreichische Formation.

Zu diesem Zeitpunkt sind vier Landwehrsoldaten gefallen (oder geflohen), sowie Obergefreiter Strutz und ein Linieninfanterist auf der österreichischen Seite. Die französischen Verluste sind mit nur zwei Chasseurs á Cheval weitaus geringer, aber die französische Truppe brauchen weniger Verluste, um Moraltests durchführen zu müssen. Obendrein sind die Chasseure sind ein sehr, sehr wertvolles Kämpfer, und diese zu verlieren ist doppelt so schlimm. Beide Seiten stehen zu diesem Zeitpunkt kurz davor Moraltests würfeln zu müssen.

Es geht aufwärts, also zieht Hauptmann Föttinger persönlich den Rekruten (der immer noch hinter der Formation auf der Straße liegt), am Kragen hoch. Dies ist der Moment ist, auf den der Voltigeur gewartet hat – er gibt einen weiteren Schuss ab, diesmal wird der Rekrut direkt getroffen und sinkt aus Föttingers Griff heraus zurück auf die Straße. Währenddessen hat sich der Chasseur wieder in den Sattel geschwungen, während Landwehr und Rekrut versuchen eine gemeinsame Salve zu organisieren.

Die Franzosen sind fest entschlossen, jetzt eine Entscheidung zu erzwingen, also eröffnen die Grenadiere das Feuer auf die Formation. Sie schalten einen der österreichischen Infanteristen aus.

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Diese zusätzlichen Verluste führen nun dazu, dass die österreichische Seite Moralwürfe durchführen müssen. Zum Glück sind fast alle innerhalb der Kommandoreichweite des Hauptmanns…

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Alles rennt, einzig und allein ein Linieninfanterist hält die Position.

…doch das nützt wenig, wenn der Offizier selbst so schnell wie möglich abhaut. Ich erkenne die Zeichen, die Österreicher treten den Rückzug an, und der Sieg geht an die Franzosen!

 

 

Nachbesprechung

Die Franzosen konfiszieren den Wagen (einschließlich Fahrer, der einen behelfsmäßigen Verband und einen großen Schluck Schnaps bekommt). Sous-Lieutenant Rembert beordert seine Männer zurück ins Lager, um Beute genau unter die Lupe zu nehmen. Jeglicher Nachschub, der nicht bei den Rebellen ankommt, verkürzt den Feldzug in diesem gottverlassenen Land, in dem es von fundamentalistischen Wahnsinnigen wimmelt.

 

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Nun, das ist die Feuertaufe meiner 28mm Napo-Figuren und mein erstes eigenes Spiel mit Song of Drums und Shakos. Ein lustiges Spiel, wie erwartet. Und ziemlich schnell, obwohl ich die Regeln lernen und einige Dinge in der pdf-Version der Regeln nachschlagen musste.

Ich hoffe, dass euch dieser Spielbericht gefallen hat! Lasst mich wissen, wenn etwas unklar war oder wenn es etwas gibt, wovon ihr mehr oder weniger sehen möchtet. Das könnt ihr mir hier in den Kommentaren, über die Tabletop Stories Facebook-Seite oder über Battle Brush Studios mitteilen!

2 Gedanken zu „Song of Drums and Shakos: Eskorte

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