Sharp Practice: Kampagnenspiel 5

Alle sind aus den Sommerferien zurück, es geht zurück an den Spieltisch!


Diesmal haben wir die erste Sondermission von Capt. Charles Benés gespielt.

 

Das Szenario

Dieser Auftrag, sollte er ihn annehmen (was er tut), schickt ihn in einen Weiler in der Nähe einer Kirche, wo er Vorräte für die Truppe organisieren soll. Das wird den Ortsansässigen nicht schmecken, aber immerhin werden sie dafür vom Joch der Unterdrückung durch den blutsaugenden Adel befreit. Das ist doch auch was.

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Sofort werden ein Wagen und ein Trupp erfahrener Plündere- …äh, Logistiker organisiert und Benés führt seine Truppen in Richtung des Dorfes! Was unser Held nicht weiß, ist, dass ein alter Feind seine Truppen erneut versammelt hat, um Benés‘ Pläne zu vereiteln. Major Eynhuf, der beim letzten Mal nur knapp einem Zusammenstoß mit Hauptmann Cruchon an der Brücke am Laber-Fluss entkommen ist, hat alle Männer, die er finden konnte, zusammengetrommelt, um (ganz im Stile einer ad hoc Kampfgruppe) Benés‘ Truppen anzugreifen, während diese mit dem Sammeln von Vorräten beschäftigt sind.

Jede Seite erhält einen primären und einen sekundären Deployment Point. Die Franzosen rücken von dem Versorgungswagen in der Mitte aus, der gerade beladen wird, und von einem Deployment Point die Straße weiter runter ganz links.

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Blau: französische Deployment Points, Rot: Österreichische Deployment Points

Die Österreicher stellen sich entweder von ihrem primären Deployment Point am gegenüberliegenden Ende der Straße oder vom sekundären Deployment Point jenseits des Feldes im Norden auf.

Das Ziel der Franzosen ist es, den Wagen zu beladen und vom Tisch zu fahren. Auf jeder Tiffin-Karte (Ende des Zuges) werfe ich einen Würfel. Das Ergebnis wird notiert, ist die Summe von 30 erreicht, ist der Wagen voll und ich kann beginnen, ihn vom Tisch zu bewegen. Das Ziel der Österreicher ist es, den Wagen zu erreichen und die Plünderung zu stoppen. Wenn eine österreichische Einheit den Wagen erreicht, endet das Spiel mit einem österreichischen Sieg.

 

Die Streitkräfte

Franzosen (Force Morale 10)

5 x Linieninfanterie, angeführt von Capt. Benés (Status III) und seinem Freund Sergeant Bonhomme (Status II)

1x Plänkler, angeführt von Sergeant Quellet, „Le Frelon“ (Status II). Anmerkungen: Sie haben die Sonderregel Sharp Practice.

1x Plänkler, angeführt von Caporal Dodeux (Status I). Anmerkungen: Sie haben die Sonderregel Sharp Practice.

 

Österreicher (Force Morale 10)

3x Linieninfanterie und 1x Plänkler (mit Status I Anführer), angeführt von Major Eynhuf (Status III) plus Trommler. Anmerkungen: Die Plänkler sind Linieninfanterie des 3. Ranges in einer Plänklerrolle. Sie können nur durch Major Eynhuf (oder durch Kommandokarten) aktiviert werden, aber niemals durch ihren eigenen Anführer. Die Linieninfanterie ist Hartnäckig (Stubborn).

2x Grenzer in Linienformation, geführt von einem Anführer der Stufe II.

1x Freiwillige Jäger, geführt von einem Anführer mit Status I. Anmerkungen: Sie sind mit Gewehren bewaffnet und haben die Sonderregel Sharp Practice.

 

 

Das Spiel

Der Trupp ist fleißig auf Nahrungssuche, während sich zwei Gruppen österreichischer Grenzer in Reih und Glied aufstellen, bereit, den Weiler zu stürmen.

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Der stets wachsame Capt. Benés hat natürlich mit dem Eingreifen des Feindes gerechnet. Er setzt seine gesamte Linieninfanterie ein (und zur Sicherheit eine Gruppe von Plänklern) und lässt alles was schießen kann feuern.

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Zwei flotte Salven, und die Grenzer müssen klein beigeben. Beide Gruppen fliehen vom Tisch, ihr Offizier bleibt verwundet im Feld liegen.

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Ein großer Sieg in der Tat, wieder einmal wurde der Feind vernichtend geschlagen. Moment, was ist das links von uns?

Völlig unbeeindruckt vom Schicksal ihrer Grenzer-Kameraden rücken die österreichischen Truppen vom zweiten Deployment Point aus vor. Eynhuf schickt eine Gruppe von Plänklern, um das Feuer auf die Flanke meiner Linie zu eröffnen.

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Kapitän Benés spaltet zwei Gruppen von der Linie ab mit dem Befehl, „diese lästigen Fliegen zu verscheuchen“. Er selbst muss bei der Linie bleiben und den vernichtenden Sieg über die Grenzer überwachen.

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Major Eynhuf scheint jedoch einen Plan zu haben. Er lässt seine Plänkler zurückziehen und stattdessen auf den Kirchhof rennen, direkt auf den Versorgungswagen zu. Während alle meine Truppen entweder weit weg sind um den verwundeten Grenzer-Offizier gefangen zu nehmen (und zum österreichischen Deployment Point weiterziehen wollen), oder damit beschäftigt sind, auf einen Feind zu schießen, der schon weg ist, habe ich niemanden, der den Wagen bewacht!

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Eynhuf lässt eine Gruppe Infanterie auf meinen sekundären Deployment Point zusteuern, um den Rückzugsweg des Versorgungswagens abzuschneiden, während die Plänkler über den Zaun in den Kirchhof klettern. Meine Linie ist zu träge, um zu reagieren, und meine Plänkler sind zu weit weg, um etwas zu tun. Ich habe sie losgeschickt, um Gefangene zu machen und den österreichischen Aufmarschpunkt einzunehmen.

Wenige Augenblicke später springen die österreichischen Plänkler über den zweiten Zaun und stehlen meinen Wagen!

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„Zulassung und Führerschein, bitte.“

Ein österreichischer Sieg. (französische Force Morale: 10, österreichische Force Morale: 5)

 

Nachbesprechung

Mist. Major Eynhufs Verstand ist so schnell wie sein Schwert, wie es scheint. Inzwischen kennt er Kapitän Benés‘ unsubtilen Modus Operandi (alles in einer großen Linie aufstellen und dann alles davor kaputtschießen), und dieses Mal war er vorbereitet. Das Gelände ließ nur eine Position zu, an der ich eine große Linie aufstellen konnte, und er hat mich dazu gebracht, dies zu tun. Ich war auch sehr zufrieden mit dem Ergebnis – zwei feindliche Linieneinheiten in Runde 2 zu vernichten ist ein schöner Vorsprung.

Leider hat Kapitän Benés durch seinen Furor Gallicus wieder einmal das eigentliche Ziel aus den Augen verloren.

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„Ja, nun…“ (Quelle: French; 36th Line Infantry, Officers, 1808-14 by J.M.Bueno)

Die einzige wirkliche Möglichkeit, den Wagen zu retten, wäre gewesen, meine Plänkler von ganz am Ende meiner Linie auf den Wagen zu schicken. Und zwar schnell.

Ich muss zugeben, dass ich die Athletik der österreichischen Plänkler unterschätzt habe. Außerdem: da war dieser verwundete österreichische Offizier UND der österreichische Deployment Point direkt vor ihnen! Sowas kann man sich doch nicht entgehen lassen. Der Rückzug der Grenzer hat der Moral der österreichischen Truppen überraschend wenig geschadet (fast, als wäre es Teil des listigen Plans gewesen), der Verlust des Offiziers hingegen schon. Hätte ich auch ihren Deployment Point eingenommen, wäre ihre Force Morale noch weiter gesunken, was die österreichische Niederlage praktisch unausweichlich gemacht hätte.

Das Problem war, dass ich alles auf eine Karte gesetzt habe, um das zu erreichen. Meine heimliche Hoffnung war, dass Sergeant Quillet und seine zweite Gruppe von Plänklern kommen würden, um den Wagen zu verteidigen, aber die Aktivierungskarten wollten wiedermal nicht so wie ich.

Wie auch immer, es war spannend, und wieder einmal haben wir ein denkwürdiges Spiel aus Sharp Practice 2 herausgeholt, indem wir den Weltrekord für das schnellste Spiel aufgestellt haben 😛.

 

Kampagnen-Phase

Da gab es nicht wirklich viel zu tun. Die Mission brachte keine Ehrenpunkte für Capt. Benés (was für eine Überraschung). Allerdings bekam er gleich wieder einen neuen Auftrag in Sachen Vorratsbeschaffung. Diesmal würde alles gut gehen!

Keine Ehrenpunkte, ein dauerhaftes -1 für alle Interaktionen mit den Einheimischen (weil Benés beim einfachen Volk nun den Ruf hat, Beutezüge in deren Häuser zu führen). Mal sehen, was das Zufallsereignis bringt!

 

Als Benés seine Männer mit leeren Händen und leeren Mägen ins Lager zurückführt, wird er von dem Chasseurs-à-Cheval-Offizier Hauptmann Didier Suffisant mit abfälligen Bemerkungen begrüßt. Der ehemalige Aristokrat hatte sich zuvor mit Quillet angelegt (und das Duell spektakulär verloren), aber es scheint, als hätte er seine Lektion noch nicht gelernt.

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Es kommt zu einem Duell der mehr oder weniger gewitzten Beleidigungen, und bald mischt sich auch Hauptmann Cruchot von der leichten Infanterie mit ein. Keiner der drei will sich duellieren, und so beschließen sie, den Streit durch ein Pferderennen beizulegen. Natürlich hält sich Offizier Suffisant von der leichten Kavallerie für den fähigsten Reiter. Cruchot hingegen war Lehrling eines Hufschmieds und kennt sich daher mit Pferden aus, und Benés ist selbst ein geschickter Reiter (was sich an seinem Attribut View Halloo zeigt).

Capt.Benés gewinnt das Rennen, Capt.Cruchot wird Zweiter, und Capt.Suffisant zeigt einmal mehr, dass er vor allem ein Großmaul ist.

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Der einzige Gewinner heute auf französischer Seite: Babeurre, Capt. Benés’ Pferd. ( Quelle: https://www.solent-saddlery.com/18th-century-and-napoleonic-uniforms-and-equipment/ )

 

Nun, dieses Spiel ging schnell. Ich glaube, es dauerte etwa 40 Minuten, einschließlich der Vorarbeit. Drei oder vier Phasen. Um den Abend zu füllen, haben wir noch eine schöne Partie Commands&Colors Ancients gespielt und geplaudert.

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„Mon ami, hast du vielleicht etwas…“ – „Schon zurück? Ich dachte, der Alte hat euch zum Bier- und Weißwurstsammeln geschickt?“ – „Ja, also, diese Kaiserlicks sind aufgetaucht und wir haben sie total besiegt, aber als wir uns umdrehten, waren das ganze Bier und die Weißwurst weg. Und unser Wagen.“ – „Bwahahahaha! Nimm etwas Wein. Die leichte Infanterie muss sich schließlich um unsere kleinen Brüder von der Linieninfanterie kümmern“ (Künstler: Dionisio Alvarez Cueto)

 

Ich hoffe, dass euch der Bericht von diesem bemerkenswerten Spiel gefallen hat. Falls ihr einen etwas gehaltvolleren Spielbericht dieses Szenarios lesen möchtet, Cpt.Shandy hat vor einigen Monaten dieses Szenario bereits in leicht abgewandelter Form gespielt. Nächstes Mal sehen wir Kapitän Cruchot wieder in Aktion!

 

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