Sharp Practice: Kampagnenspiel 7

Heyhey, es ist Zeit für Spiel Nr. 7 unserer schönen Star of Bravery Kampagne! Diesmal sind wir zurück bei den Abenteuern von Capt. Charles Benés. Einmal mehr wird seine Truppe ausgesandt, um auf einem bayerischen Gutshof nach Vorräten zu suchen. Diesmal handelt es sich um den Weinkeller eines reichen bayerischen Freiherrn, was für die Franzosen natürlich noch interessanter ist als ein paar stinkende Bierfässer.

Das Szenario

…ähnelt sehr dem Szenario vom letzten Mal, als wir Zeuge von Benés‘ Großem Wagnis wurden (das schnell und katastrophal endete).

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Jupp, das gleiche Bild wie letztes Mal, aber es passt nunmal immernoch. 😛

So sieht der Tisch aus:

 

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Die blaue Fläche ist der Futterwagen, der gleichzeitig als französischer Deployment Point (also der Punkt, über den Truppen ins Spiel kommen) dient. An jedem Rundenende würfelt der französische Spieler (ich). Die Ergebnisse werden im Laufe der Zeit addiert. Sobald die Summe 26 übersteigt, ist der Wagen mit Vorräten gefüllt und bereit, abzufahren. Sobald das der Fall ist, muss er den Tisch über eine der Straßen mit den blauen Pfeilen verlassen. Wenn die Österreicher es schaffen, mit einer Gruppe den Wagen zu erreichen, haben sie gewonnen. Auch wenn die Force Morale einer Seite auf 0 sinkt, gewinnt die andere Seite.

Die roten Punkte bezeichnen die Deployment Points der Österreicher (Cpt.Shandy). Der Punkt rechts ist der österreichische primäre Deployment Point.

 

Die Streitkräfte

Franzosen (Force Morale 9)

5 x Linieninfanterie, angeführt von Capt. Benés (Status III) und Sergeant Bonhomme (Status II)

1x Plänkler, angeführt von Sergeant Quellet, „Le Frelon“ (Status II)

1x Plänkler, angeführt von Caporal Dodeux (Status I)

 

Österreicher (Force Morale 10)

3x Wiener Freiwillge Landwehr, geführt von Hauptmann Franz Schrammel (Status III). Anmerkungen: Die Landwehr ist eine Qualitätsstufe unter regulärer Infanterie.

2x Grenzer in Linienformation, geführt von einem Anführer der Stufe II. Anmerkungen: Sie können keine Formation mit der Landwehr bilden.

1x Wiener Freiwillige Jäger, geführt von einem Anführer mit Status I. Anmerkungen: Sie sind mit Jägerstutzen mit gezogenen Läufen bewaffnet und haben die Sonderregel Sharp Practice.

1x Grenzer in Plänklerformation, geführt von einem Anführer mit Stufe I. Anmerkungen: Sie sind mit Jägerstutzen mit gezogenen Läufen bewaffnet und haben die Sonderregel Sharp Practice.

 

Das Spiel

Das Spiel beginnt mit Cpt.Shandy, der österreichische Plänkler aufstellt. Die Wiener Freiwilligen Jäger stürmen  in Richtung Herrenhaus. Während sich die letzten Male die typischen Bauernhäuser der Gegend als nicht sehr nützlich erwiesen haben, bietet dieses Herrenhaus hier gute Deckung und eine Menge Fenster (und damit Schussfelder) auf jeder Seite.

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Deshalb stelle ich sofort die Plänkler von Sergeant Quellet in das Gebäude und beginne, die österreichischen freiwilligen Jäger vom oberen Stockwerk aus zu beschießen. Der Feind reagiert und schickt die Landwehr vor. Sie rücken direkt auf den Hof neben dem Herrenhaus vor. Capt. Benés schnappt sich drei Gruppen seiner Linieninfanterie, um die Landwehr zu stoppen.

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Die österreichischen Truppen marschieren über die Felder. Währenddessen haben die Franzosen etwas mehr Mühe, sich zwischen  Gemüsebeete, Nebengebäude und Schuppen durchzuquetschen. Capt. Benés versucht, einer Magd ein Kompliment zu machen, weil sie trotz der Anwesenheit des Feindes so gelassen ist. Sie zeigt ihm die kalte Schulter und marschiert davon.

 

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Positiv zu vermerken ist, dass die französischen Voltigeure in der Villa den österreichischen Plänklern an der Kreuzung übel mitspielen. Sie beschließen, dass es besser ist, sich zurückzuziehen und neu zu formieren.

Hier ist ein Überblick:

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Oben links sieht man die österreichische Landwehr vorrücken, daneben ziehen sich die österreichischen Plänkler zurück, um sich neu zu formieren. In der Mitte links sieht man meine französische Linie vorrücken, in der Hoffnung, vor dem Feind in Stellung hinter dem Zaun zu kommen. Rechts greift eine vorwitzige Gruppe österreichischer Grenzer in das Geschehen ein und beginnt, meiner Linie in die Flanke zu schießen. Das hilft ihrem Vormarsch nicht gerade. Ich stelle meine zweite Gruppe Voltigeure (ganz unten, Mitte) auf, um diese fiesen Plänkler in Schach zu halten (und vielleicht den Wagen zu bewachen. Wir wollen ja nicht, dass sich die Geschichte des letzten Einsatzes wiederholt). Glücklicherweise verwundet eine der ersten Salven den Anführer der Grenzer, so dass sie sich zurückziehen müssen, um ihren Deployment Point zu bewachen.

 

Leider ist die Landwehr schneller in Position und eröffnet das Feuer. Der Zaun gibt meinen Jungs ein wenig Deckung, aber das ist der Landwehr egal. Nach der ersten Salve hören sie nicht mehr auf, Blei verschiedenster Kaliber in die Reihen meiner tapferen Franzosen zu feuern. Eine der Gruppen gerät gefährlich ins Straucheln. Capt. Benés ruft seinen Stellvertreter, Sergeant Bonhomme, und seine beiden Infanteriegruppen zu sich. Dieser ist sich jedoch nicht sicher, was er mit seinen Männern tun soll, also stehen sie herum und versuchen, sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen und warten auf Befehle, während sie von der Landwehr beschossen werden.

 

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Zu diesem Zeitpunkt sind alle meine Truppen mehr oder weniger im Hof gebunden.

Die Österreicher haben jedoch  noch ein Ass im Ärmel – zwei weitere Gruppen Grenzer in Linienformation. Sie werden aufgestellt und halten direkt auf meine linke Flanke zu. Somit haben die Österreicher jetzt auch alle ihre Truppen im Spiel, aber viel mehr Platz zum Manövrieren als ich.

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In der Zwischenzeit benutzen meine recht erfolgreichen Voltigeure in der Villa die österreichischen Jäger für Zielübungen. Sie verpassen ihnen mehr Schockpunkte und schaffen es auch, ihren Anführer auszuschalten, der bewusstlos zu Boden geht.

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Schließlich ergreifen die Jäger die Flucht und lassen ihren bewusstlosen Anführer zurück. Unten links sieht man die österreichischen Grenzer mit dem verwundeten Anführer (was die Aktivierung natürlich viel schwieriger macht), die den Deployment Point bewachen und darauf warten, dass sich Ziele für die Scharfschützen ergeben. Meine Infanterielinie ist jetzt bis zum Zaun vorgerückt, ist aber noch nicht ganz schussbereit. Die Landwehr auf der anderen Seite des Zauns zeigt keinerlei Ermüdungserscheinungen, und schießen weiter munter auf meine Infanterie.

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Nach einiger Zeit jedoch schafft Capt.Benés es, seine Mannen in einem Stück nach vorn an den Zaub zu bringen, und sie feuern eine krachende Salve (Crashing Volley!) auf die Landwehr ab. Von diesem Moment an entbrennt ein hässliches und sehr blutiges Feuergefecht zwischen der Landwehr und Capt. Benés‘ Infanterie auf kürzeste Distanz. Keine der beiden Seiten ist bereit, aufzugeben. Derweil rücken die Grenzer schnell weiter auf meiner linken Flanke vor. Ihr Ziel ist es offensichtlich, den Rückzugsweg des Versorgungswagens abzuschneiden und ihn zu erobern.

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Der Vorteil daran, dass die Grenzer an meiner ungeschützten Flanke vorrücken ist, dass meine Voltigeure nun aus der Villa springen, die Straße hinunter sausen und den niedergeschlagenen Jäger-Offizier gefangen nehmen können. Immerhin.

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Die österreichische Truppenmoral hat durch all das gelitten. Langsam verlieren sie ihre Kommandokarten, und jetzt habe ich meine Voltigeure in ihrem Rücken.

Es gibt allerdings dringendere Probleme, um die ich mich jetzt kümmern muss: die Grenzer stürmen im Laufschritte meine Flanke entlang und ich habe niemanden, der sie aufhalten kann. Sergeant Bonhomme wendet seine Kolonne um fast 180°. Sie rennen, um sich hinter der Hauptlinie neu zu positionieren, werden dabei aber in die Flanke geschossen.

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Bonhomme wirft sich mit seinen ziemlich zerrupften Gruppen gegen die Grenzer.

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…und prallen ab.

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Gepunktete Linien zeigen wie immer unfreiwillige Rückzugsbewegungen an.

 

Die Grenzer sind von diesem ungeordneten Angriff sehr unbeeindruckt, aber irgendwie wurde ihr Offizier im Handgemenge verwundet. Damit sind drei der vier österreichischen Anführer verwundet oder gefangen genommen. Glücklich für mich, nicht gut für die österreichische Force Morale.

Gute Nachrichten vom Versorgungswagen – sie sind voll, wir können abfahren!

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Cpt.Shandy hat extra ein kleines Einlegeteil für den Wagen gebaut hat, um darzustellen, dass er nun voll ist!

Und dann bekommen wir sogar ein Kapitelende! Das passiert in Sharp Practice, wenn gleich zu Rundenanfang die Karte gezogen wird, die die Runde beendet. Ein Kapitelende meint eine generelle kleine Verschnaufpause auf beiden Seiten. Alle Waffen werden automatisch geladen, Brände  gelöscht, negative Effekte aufgehoben, und so weiter.

Alle machen eine Pause, und wir schauen uns die Situation an.

Hier ist ein Überblick:

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Die Lage ist sehr spannend. Meine Linieninfanterie schafft es schließlich, die Landwehrlinie zu brechen, und die österreichische Truppenmoral erleidet einen weiteren schweren Schlag (französische Force Morale: 7, österreichische Force Morale: 1), was sie ihre restlichen Kommandokarten kostet.

Die Sache ist die, dass ich die Grenzer im Grunde nicht davon abhalten kann, auf meinen kostbaren Wagen zuzulaufen, also lasse ich meine Infanterie weiter auf die sich zurückziehende Landwehr schießen. Sie ziehen sich weiter zurück/ brechen zusammen, die Moral der österreichischen Truppen wird auf 0 reduziert.

 

Ein französischer Sieg.

 

Nachbesprechung

Nun, das war spannend. Und knapp. Und ziemlich aufregend. Zu Beginn hatte meine Linieninfanterie einige Probleme, da die Landwehr ein paar ziemlich fiese Salven auf sie abfeuerte, aber sie hielt durch, und als sie in Position waren hatte ich zum Glück die nötigen Kommandokarten um eine Crashing Volley aus nächster Nähe abzufeuern. Bonhomme und seine unglücklichen Gruppen in einer zweiten Reihe zu haben, hat seltsamerweise geholfen. Sie standen herum und mussten Prügel einstecken, ohne wirklich zu wissen, wie (oder wohin), aber sie nahmen etwas Druck von der ersten Reihe.

Am befriedigendsten war es jedoch wie so oft, die österreichischen Plänkler früh loszuwerden. Zwar gelang es mir nicht ganz, die am primären Deployment Point zu neutralisieren, aber für den Rest des Spiels hatten sie es sehr schwer, etwas zu tun. Allerdings bekam ich meine eigenen Voltigeure an dieser Flanke auch nie so recht weg.

Sehr interessant war es zu sehen, wie die Kommandokarten, die den Österreichern nach und nach abhanden kamen, ein echtes Problem wurden. Das kommt normalerweise nicht so oft vor.

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‘Ganz schön knapp, aber im großen und ganzen zufriedenstellend.’ (Quelle: French; 36th Line Infantry, Officers, 1808-14 by J.M.Bueno, cropped)

Ich habe es also endlich geschafft, erfolgreich Vorräte zu besorgen. Hurra! Die kleine Interaktion mit dem Dienstmädchen verlief nicht so gut. Der schlechte Ruf, den Benés bei den Einheimischen hat, scheint nicht verschwinden zu wollen.

 

Kampagnenphase

Aufgrund des erfolgreichen Einsatzes und weil er dem Feind aus nächster Nähe eine krachende Salve verpasst hat, erhält Capt. Charles Benés 8 Ehrenpunkte.

Nach der Rückkehr ins Lager berichtet Sergeant Bonhomme Capt. Benés von seltsamen Vorgängen: Einer der mit der Armee reisenden Händler wurde dabei beobachtet, wie er einem zivilen Boten Notizen übergab und sich generell verdächtig verhielt. Die Offiziere verdächtigen ihn, ein Spion zu sein.

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Quelle: Wikipedia

Capt. Benés lässt den Mann festnehmen, weigert sich aber, ihn zum Brigadekommando zu schicken. Sein Ego ist, gelinde gesagt, etwas aufgeblasen, so dass der gute Capitaine es vorzieht, den Mann selbst zu verhören. Nach stundenlangem Hin und Her erfährt Benés jedoch nichts und muss den vermeintlichen Spion gehen lassen. Nichts verdient, nichts gewonnen.

Am nächsten Tag erhält Benés eine Nachricht vom Brigadekommando, das ihm befiehlt, seine Männer zur Garnison nach Linz zu bringen. Die Stadt an der Donau ist hauptsächlich von unseren deutschen Verbündeten besetzt, aber ein paar richtige französische Truppen in der Nähe zu haben, kann nicht schaden. Aufgrund seiner Stellung könnte Benés sich weigern und stattdessen einen Einsatz an der Front verlangen, aber eigentlich ist Benés mit der Idee, Garnisonsdienst zu leisten, sich auszuruhen und den ganzen befreiten Wein zu verkosten, ziemlich zufrieden.

 

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„Mon ami, ich kann dir den Wein jetzt zurückzahlen. Natürlich war der Feind nicht weit, aber wir haben es ihm gezeigt.“ – „Darauf trinke ich, Kamerad. Wie ich höre, sind wir auf dem Weg nach Wien, aber zuerst wird uns der Capitaine auf diese persönliche Mission mitnehmen.“ – „Na, dann viel Glück. Ich werde sehen, ob ich diese schrecklichen deutschen Würste in Pastete verwandeln kann.“ (Künstler: Dionisio Alvarez Cueto)

Ich hoffe, dass euch der Bericht von dieser sehr hart umkämpfte Schlacht gefallen hat. Beim nächsten Mal werden wir sehen, wie Capt. Cruchon bei seiner waghalsigen Rettung von Cäcilia von Pfünz (und seinem Freund Merlot) aus den Fängen der bösen Österreicher abschneidet.

 

Ihr könnt (und solltet!) Cpt.Shandys Bericht zu diesem Spiel aus österreichischer Sicht hier nachlesen!

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