Sharp Practice: Hier kommt die Kavallerie!

Kurz vor Weihnachten traf ich mich mit Cpt.Shandy zu einem letzten Hurra des Jahres. Da Sharp Practice im Grunde alles ist, was wir im Jahr 2021 gespielt haben (abgesehen von Brettspielen und Testspielen von What a Mecher!), schien es angebracht, Sharp Practice noch einmal herauszuholen. Es waren einige Monate seit dem Finale unserer Kampagne vergangen, und Shandy war damit beschäftigt, die österreichische Architektur des Jahres 1809 zu erforschen und Kavallerieeinheiten für Sharp Practice zu malen.

Deshalb würde dieses Szenario kavallerieschwerer sein als sonst. Und es gibt Kürassiere! Allein deswegen super.

 

sharp practice skirmish
Sympathische österreichische Kürassiere (Reenactors am 208. Jahrestag von Austerlitz. Quelle: Thomas T.s Flickr )

Das Szenario

Dieses Szenario dient hauptsächlich dazu, das Kavallerieszenario zu testen, daher sind die Regeln einfach gehalten und die Streitkräfte sind fast gespiegelt. Shandy hat dieses Szenario zuvor mit K. und am Tag nach unserem Spiel mit einem anderen Freund gespielt. Man kann nicht behaupten, dass er nicht paytestet!

Die Situation: Zwei Avantgarde-Truppen haben die Aufgabe, einen Hügel einzunehmen, um die Straßenkreuzung zu kontrollieren. Die Einnahme des Hügels ist das Hauptziel. Hält eine Seite den Hügel mit Infanterie und reduziert die feindliche Streitmacht auf eine Force Morale von 4 oder weniger, hat sie gewonnen. Eine Seite gewinnt auch, wenn der Feind auf eine Force Morale von 0 reduziert wird.

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Die Streitmächte

Österreicher

2x  Ulanen, der Kommandant ist dabei

1x Husaren

1x Kürassiere

3x Ungarische Infanterie

Force Morale: 10

 

Franzosen

3x Chasseurs à Cheval, der Kommandant ist dabei

1x Kürassiere

3x Leichte Infanterie

Force Morale: 10

 

Das Spiel

Ganz im Gegensatz zu all den „nationalen Eigenheiten“ und Vorurteilen gehen die Österreicher (gespielt von Cpt. Shandy) recht zügig ins Feld. Ihre Infanterie marschiert die Straße hinunter und auf halber Höhe den Hügel hinauf, flankiert von einer Gruppe Husaren zu ihrer Linken. In der Zwischenzeit ist die leichte Infanterie der Franzosen (gespielt von mir) weniger flink.

skirmish sharp practice

Es scheint, dass meine französische Infanterie nicht bereit ist, auf einen Hügel vorzurücken, ohne zu wissen, was sich dahinter verbirgt. Sie rufen Aufklärung in Form einer Gruppe von Chasseurs à Cheval herbei. Das ist genug für die österreichische Infanterie (die hinter dem Hügelkamm stoppte, um kein Ziel zu sein), um ein Karree zu bilden. Oder vielmehr eine „Masse“.

Das lässt meine tapferen Chasseurs einen Moment lang zögern. Gerade genug Zeit für die österreichischen Kürassiere, um aufzutauchen!

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Die schwere Kavallerie setzt sofort zum Angriff auf meine Chasseurs an um sie zu vertreiben.

 

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Es ist eine heftige und einseitige Angelegenheit, und meine geschlagene leichte Kavallerie befindet sich auf dem Rückzug, während sich die Kürassiere neu formieren und sich auf die Schulter klopfen. Während des Kampfes wurde der Anführer meiner Chasseurs aus dem Sattel geworfen. Zum Glück springt er sofort wieder auf, und folgt seinen Kameraden.

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Ich rufe meine eigenen Kürassiere aufs Feld um den Rückzug der Chasseurs zu decken.

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Nachdem zumindest eine Flanke gesichert ist, wird die leichte Infanterie mutiger, rückt auf den Hügel vor (schafft es aber nicht ganz bis dorthin) und bildet eine Linie.

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Keine der beiden Infanterieeinheiten kann sich zu diesem Zeitpunkt wegen des Hügels sehen. Während unsere schwere Kavallerie sich gegenseitig anstarrt, nutzen die österreichischen Husaren den Moment und greifen meine Infanterie in der Flanke an an, als sie sich entlang des Hügelkamms aufstellen.

 

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Wir hatten in Sharp Practice bereits leichte Kavallerie Infanterielinien angreifen lassen, und meistens war das nicht besonders beeindruckend. Daraufhin haben wir sogar as Hausregel einen Nahkampfbonus eingeführt, wenn die Kavallerie die Flanken oder den Rücken der Infanterie angreift, und trotzdem hält die Infanterie normalerweise stand. Dieses Mal nicht. Der Offizier ist mit der mittleren Gruppe beschäftigt und kann daher seinen Männern im Nahkampf nicht helfen, und die ganze Linie gerät in Aufruhr, w#hrend sich die triumphierenden österreichischen Husaren in Richtung der Felder zurückziehen.

In der Zwischenzeit greifen meine Kürassiere ihre österreichischen Gegenstücke an und schlagen sie in die Flucht. Das Problem ist, dass mein Kürassieroffizier während des ganzen Durcheinanders ausgeknockt wird.

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Ein Überblick: Österreichische Infanterie immer noch in der Masse, um mögliche Kavallerieangriffe abzuwehren, französische Infanterie ist in Unordnung, die französischen Chasseurs a Cheval haben sich gerade so zusammengerauft, um eine Lücke zwischen meinen Kürassieren zu flicken (die gerade die österreichischen Kürassiere vertrieben haben). Die österreichischen Husaren ziehen sich nach getaner Arbeit ohne gröbere Verluste zurück.

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Während die französischen Kürassiere versuchen, ihren Offizier wieder wach zu bekommen, um den kleinen Sieg auszunutzen, tauchen zwei Gruppen österreichischer Ulanen auf, um den Plan zu vereiteln.

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In der Zwischenzeit gehen die Husaren in den Husarenmodus Nr. 2: sie sind sehr aktiv, flitzen herum und sind eine Plage. Der Husarenmodus Nr. 1 ist natürlich Fluchen und Damen nachstellen. Die Husaren suchen also nach einer Öffnung, und bald finden sie eine: Der französische Deployment Point ist völlig unbewacht, und meine Force Morale hat schon mehr als eine Delle abbekommen. Die österreichischen Husaren treiben also ihre kleinen, robusten Pferde an.

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Das irritiert mich in hohem Maße, und ich überlege, wie ich noch irritierender sein kann. Also schicke ich meine angeschlagene leichte Kavallerie um die Flanke herum, um meinerseits auf den Deployment Point der Österreicher zuzusteuern (wohl wissend, dass sie bereits alle ihre Truppen aufgestellt haben). Wie so oft übersehe ich ein schlimmes Detail: Die österreichische Infanteriemasse hat Musketen in alle Richtungen gerichtet.

Also beginnen sie, meine leichte Kavallerie von hinten zu beschießen.

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Auauauaaua, die Chasseurs werden zerlegt und nur der Offizier, kann sich gemeinsam mit einem anderen Reiter (und einer Menge Schock) retten.

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Währenddessen schaffen es die österreichischen Husaren nicht ganz (um einen Zentimeter), meinen Aufmarschpunkt zu erobern, und durch einen glücklichen Zufall taucht der Rest meiner leichten Kavallerie auf, um den Tag zu retten. Sie liefern sich ein Handgemenge.

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Gut, die Husaren sind erledigt und im Grunde aus dem Spiel. Leider steht mein Kürassieroffizier nicht auf, und die Lanzenreiter greifen an.

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Meine Kürassiere werden von den Ulanen zerschlagen.

Weil es ziemlich gut läuft für die Österreicher (meine Force Morale liegt zu diesem Zeitpunkt bei 4), formiert sich die österreichische Infanterie wieder zu einer Kolonne und macht sich bereit, die Hügelspitze zu stürmen, hinter der sich meine eigene Infanterie in einer etwas ausgefransten Linie formiert.

Meine neu eingetroffene leichte Kavallerie stellt sich hinter der Infanterie auf, um in das Kavalleriegeplänkel zu ihrer Linken einzugreifen oder die Infanterie an ihrer Front zu unterstützen.

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Sie rücken vor, aber die Ulanen sind schneller mit ihrem Angriff und richten unter meiner etwas demoralisierten leichten Kavallerie ein Chaos an.

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…und das besiegelt den Österreichischen Sieg!

 

Nachbetrachtung

Meine Güte. Das lief ja garnicht gut.

Sicher, ich habe einige Fehler gemacht, wie z.B. die österreichischen Husaren zu unterschätzen oder das österreichische Infanterie-Quadrat nicht zu berücksichtigen, als ich vorbeimarschierte.

sharp practice skirmish

Aber gut. Die Regeländerungen, die Cpt.Shandy vorgenommen hat, um die Kavallerie ein wenig überzeugender zu machen, haben gut funktioniert und scheinen gut durchdacht zu sein. Abgesehen von einigen Anpassungen der Werte erhält die leichte Kavallerie die Möglichkeit, auszuweichen, wenn sie im Stehen angegriffen wird oder wenn sie sich vom Angreifer wegbewegt. Cpt. Shandy hat eine weitere Regel eingeführt, die die Auswirkungen von Schock auf die Bewegung der Kavallerie verringert, und außerdem eine Option für die Kavallerie hinzugefügt, sich durch die Kavallerie der eigenen Seite zu bewegen, wenn sie steht. Außerdem erhalten alle Kavallerieeinheiten die universelle Sonderregel „In Hand“.

All diese Regeln werden verwendet, um zu verhindern, dass Kavalleriegruppen nach den ersten Handgreiflichkeiten grundsätzlich aus dem Spiel sind, und um ihnen die Möglichkeit zu geben, mehrere Angriffe im selben Spiel zu reiten. Es ist schon schlimm genug, dass Handgreiflichkeiten unseren Anführer ziemlich leicht ausschalten können, was deine Kavallerieeinheit für eine ganze Weile in eine leichte Beute verwandeln kann (wie bei meinen Kürassieren nach der ersten erfolgreichen Attacke gesehen). Um dem ein wenig entgegenzuwirken, haben alle Kavallerieanführer mindestens Status 2.

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28mm Kürassiere von Front Rank

All diese Regeln haben sich als ziemlich effektiv erwiesen, um die Kavallerie etwas länger im Spiel zu halten. Abgesehen davon machen die enormen Aufmarsch- und Bewegungsdistanzen der leichten Kavallerie das Spiel sehr viel dynamischer. Das führt zu der interessanten Situation, dass man sich entscheiden muss, ob man seine leichte Kavallerie zur Belästigung einsetzt oder sie in Reserve hält, um Feinde, die dem eigenen Aufmarschpunkt zu nahe kommen, mit einem Gegenangriff zu überraschen.

 

Jedenfalls wars mal was Anderes. Sharp Practice ist wirklich gut darin, Infanteriekämpfe zu modellieren. Wenn man den Fokus auf Schlachtenkavallerie, die sehr unsubtil eingesetzt wird, sollte man vielleicht ein paar Regeländerungen in Betracht ziehen. In der Vergangenheit haben wir ja öfter Kavalleriegeplänkel im amerikanischen Bürgerkrieg gespielt, doch die funktioniert ja ganz grundsätzlich anders. Damals waren keine oder kaum Änderungen erforderlich, aber für die napoleonische Zeit möchte man ja eventuell etwas dynamischer agierende Kavallerie in Skirmishes.

 

So oder so, es war cool. Sharp Practice funktioniert eigentlich immer.

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Das war’s also mit dem Wargaming-Jahr 2021. Genau wie schon 2020 – nicht wirklich viel Wargaming, zwischen all den Lockdowns und so weiter. Seltsamerweise habe ich in diesem Jahr auch so gut wie kein Solo-Wargaming gemacht (ganz im Gegensatz zu letztem Jahr), denn der Großteil des Jahres war wirklich ziemlich stressig. Wenigstens haben wirs geschafft ein paar Spiele unterzubringen, und diese Gelegenheiten waren immer sehr willkommen. Und zum ersten Mal in meinem Leben habe ich eine Kampagne gespielt und beendet! Gar nicht so übel.

 

Ich hoffe, dieser Schlachtbericht hat euch gefallen und ihr hattet wunderbare Feiertage! Bis denn dann!

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