Sellswords & Spellslingers: Review

Kooperative Fantasy-Skirmishspiele sind für sich ein recht neues Genre, das sich erst in den letzten Jahren durchgesetzt hat. Eine zentrale Rolle in dieser Entwicklung spielte Sellswords & Spellslingers.

Sellswords & Spellslingers, herausgegeben von Ganesha Games, geschrieben von Andrea Sfiligoi, wurde 2018 veröffentlicht. Interessanterweise ohne viel Tamtam. Das ist etwas, das wir manchmal bei Veröffentlichungen von Ganesha Games sehen. Ich glaube, das liegt daran, dass sie einfach zu sehr damit beschäftigt sind, wirklich solide Spielregeln herauszubringen.

Sellswords spellslingers skirmish

Kurz gesagt – Sellswords & Spellslingers erlaubt es dir und deinen Freunden komplett kooperative Fantasyabenteuer auf den Tisch zu bringen.

Zuerst, wie immer, ein Blick auf…

Das Buch

Die Regeln sind für USD 8,00 für die PDF-Version oder USD 18,00 für die gedruckte Version über die Website der Ganesha Games erhältlich. Das entspricht den üblichen Preise für Ganesha-Spiele und ist damit ein wirklich gutes Angebot. Der Versand erfolgt aus den USA.

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Ich habe das gedruckte Buch bei Lulu.com bestellt. Immer noch aus den USA, aber Lulu hat öfter Angebote mit weltweitem Gratis-Versand. Also am Besten die Augen offenhalten nach diesen Angeboten!

Das Regelbuch ist mit 69 Seiten (A5-Format, dickes Papier, vollfarbig) ein schlankes Buch, aber es kommt mit allen Informationen, die ihr zum Spielen braucht. Es ist in englischer Sprache verfasst. Auf ein Release auf deutsch würde ich nicht unbedingt bauen.

Ganesha Games-Regelbücher, wie ich in früheren Rezensionen ihrer Spiele schon erwähnt habe, haben einen ganz eigenen Look, den ich recht gern mag. Über das ganze Buch verteilt finden wir eine Mischung aus Illustrationen und Fotos von Miniaturen.

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Beide kommen mit einer gewissen ‚Old-School-Ästhetik‘, die mich einfach anspricht. Es ist farbenfroh, es macht Spaß, es ist ominös, manche sind ein bisschen unheimlich – die Art von Dingen, die ich in meinen Fantasy-Büchern mag. Diese sehr verschiedenen Illustrationen bringen den Leser zum Schmunzeln (oder Wundern) und setzen Ideen in Gang.

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Was brauche ich zum Spielen?

Neben dem Regelwerk benötigt ihr einen Satz Sellswords&Spellslingers-Karten (dazu später mehr), drei 20-seitige Würfel (W20), zwei oder drei sechsseitige Würfel (W6), Charakterblätter und Stifte für jeden Spieler und entsprechende Heldenfiguren.

Sellswords spellslingers skirmish
Für eure Helden könnt ihr jede Figur aus eurer Sammlung verwenden.

Der Spielbereich ist 36″ von 36″. Normalerweise ein großer Verfechter von „je größer desto besser“ was Spieltische angeht. In diesem Fall würde ich jedoch sagen, dass man sich an die vorgeschlagene Tischgröße halten sollte, da die gegnerische Bewegung auf diese Größe abgestimmt ist.

Wenn wir schon von Feinden sprechen – Von denen werdet ihr eine Menge brauchen. Ob Skelette, Kopfjäger, Orks&Goblins, Gnolle, Banditen, Krötenmenschen, … ihr werdet einige benötigen. Für eine Gruppe von acht Heldencharakteren (vier Spieler mit je 2 Charakteren) schlage ich vor, etwa 30 zu besorgen, nur um sicherzugehen. Wenn ihr nur etwa 5 Helden auf dem Tisch habt, kommt ihr mit 25 oder so aus, aber man weiß nie, wie viele Bösewichte auftauchen.

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…zu dem Zweck hab ich meine alten Tiermenschen rausgeholt und neu bemalt bzw. ein paar Neue hinzugefügt.

Natürlich gibt es Szenarien, die weniger Bösewichter erfordern (bis hin zu einem wirklich fiesen Bossbösewicht), aber im Allgemeinen schlage ich vor, dass man zumindest von einer Art von „Standardfieslingen“ so ca. 30 zur Hand hat. Es wäre auch nicht schlecht, eine gewisse Bandbreite an Monstern/Gegnern bei der Hand zu haben, da es hie und da zu überraschenden Gastauftritten dritter Fraktionen oder wandernder Monster kommen kann.

Wie funktioniert das Spiel nun?

Da es sich um ein kooperatives Spiel handelt, brauchen wir eine Art Zufallsgenerator. Dieses Spiel verwendet dafür ein spezielles Kartenset.

Das Besondere an diesem Spiel ist, dass es sich um ein vollständig kooperatives Fantasy-Miniaturspiel handelt. Damit ist es genremäßig genau zwischen Dungeon-Crawler-Brettspielen (wie Decent und Heroquest) und den Pen&Paper-RPGS (wie GURPS, The One Ring, Das Schwarze Auge, etc.) angesiedelt.

Jeder Spieler spielt einen oder mehrere Heldencharaktere. Die Bösewichte werden alle von einer künstlichen Intelligenz gespielt, die in das Spiel eingebaut ist und die wirklich schnell und effizient funktioniert. Sellswords und Spellslingers basiert im Kern auf W20-Würfeln; wie bei den meisten von Sfiligoi geschriebenen Spielen beginnt alles mit Aktivierungswürfeln.

Ist ein Spieler an der Reihe, wählt er einen seiner Charaktere aus, der aktiviert werden soll. Dann würfelt er einen, zwei oder drei W20. Ergebnisse von 8 oder mehr bedeuten, dass der Würfel für eine Heldenaktion verwendet werden darf, jeder Würfel, der weniger als 8 zeigt, bedeutet, dass eine Karte vom Ereignisdeck gezogen wird.

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Meistens werden diese Karten gegnerische Modelle aktivieren oder neue in’s Spiel bringen. Einige der Karten sind szenario-relevante Ereignisse. Die Sache ist die, dass die weniger gefährlichen Karten normalerweise nach dem Ziehen vom Stapel entfernt werden, so dass jedes Mal, wenn der Stapel leer ist und neu gemischt wird nach und nach nur noch die gefährlicheren Karten im Deck bleiben. Dadurch werden im Laufe des Spiels die Gegner immer zahlreicher und aktivieren öfter. Es ist also auch ein gewisser Zeitfaktor eingearbeitet. Die Helden werden nicht endlos auf dem Tisch bleiben und alles plündern können, denn die Feinde werden immer wilder.

Sellswords spellslingers skirmish
Henni Hinkel von Hammerfels und Koma der Barbar bekämpfen betrunkene Tiermenschen.

Feindaktivierung selbst ist recht simpel: Nahkämpfer laufen auf die Helden zu um in den Kampf zu kommen, Fernkämpfer/Zauberer versuchen sich in gute Schussposition zu bringen und eröffnen dann das Feuer.

Das Szenario-Design ist ein großer Teil des Spiels, wenn man nicht immer wieder dasselbe spielen will. Das bedeutet aber auch, dass ihr mit diesen Regeln ALLES machen könnt und wirklich ein paar lustige Abenteuer auf eurem Spieltisch erleben könnt.

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Der simple Flowchart der Gegner- und Nichtspielercharakter-Verhalten vorgibt.

Die Ereigniskarten (einschließlich Zauberkarten, Monsterkarten und Zaubertrankkarten) können kostenlos von der Website von Ganesha Games heruntergeladen werden. Gedruckte Karten können bei Drivethrucards.com bestellt werden. Ich habe meine von Made By MelBel bekommen, die sich mit enormem Spielzubehör eine schöne Nische geschaffen hat und für kundenspezifische Karten und so weiter in ganz Deutschland und darüber hinaus bekannt geworden ist.

Neben Ereigniskarten gibt es auch eine große Anzahl von Zauber-, Zaubertrank und Monsterkarten. Das Basisspiel enthält 30 verschiedene Monstertypen auf Karten.

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Diese Monsterkarten enthalten alle Informationen über eine Monsterart, um sie im Spiel einzusetzen: die Gefahrenstufe (Danger Level, DL) der Kreatur (der Wert den man mit einem W20 erreichen muss, wenn man gegen die Kreatur kämpft um sie zu treffen bzw. ihrem Schuss auszuweichen), Trefferpunkte (HP), Nahkampfschaden (DMG), die Beute (SP, Wert in Silberstücken), die sie fallen lassen, wenn sie getötet werden, und natürlich Spezialregeln. Auf der Grundlage dieses einfachen Schemas könnt ihr problemlos eigene Kreaturentypen entwerfen oder Kreaturen aus anderen Spielen anpassen.

Das ist alles. Ganz einfach.

Heldenerschaffung

Zu Beginn des Spiels oder – noch besser – der Kampagne erstellt jeder Spieler seine/n Helden. Auch dies ist ein sehr einfacher Vorgang. Ein Spieler erhält insgesamt 60XP, um seine Charaktere zu erstellen, es gibt ein bestimmtes Minimum und Maximum, das er für jeden Charakter ausgeben kann. XP funktioniert im Grunde wie ein Punktesystem. Das Regelwerk enthält einen ganzen Haufen von Charaktereigenschaften (positive und negative), um Charaktere individuell zu gestalten.

Sellswords spellslingers skirmish
Das hier sind die beiden Charaktere die ich normalerweise spiele, basierend auf Charakteren die Cpt.Shandy immer bei der Hand hat für neue Spieler.

Genau wie in „Song of Blades and Heroes“ – kann man mit den Regeln so ziemlich alles machen. Und aufgrund der Tatsache, wie schlank das System ist, ist es ziemlich einfach, sich zusätzliche Eigenschaften auszudenken und ihnen entsprechende XP-Kosten zu geben. Auf diese Weise kann man so ziemlich jede beliebige Heldenminiatur in das Spiel integrieren.

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Hier eine recht klassische Heldentruppe, doch die Regeln bieten Platz für Ausgefalleneres!

Szenarien

Wie bereits erwähnt, ist das Spiel szenariobasiert. Das Regelbuch enthält 10 Szenarien. Leider gibt es derzeit keine weiteren Szenario- oder Kampagnenbücher. Es gibt jedoch einige Leute, die ihre eigenen Szenarien online stellen, und sobald ihr die 10 Szenarien aus dem Regelbuch gespielt habt, werdet ihr genug Gefühl für das Spiel haben, um sich schnell und einfach eure eigenen Szenarien zusammenzustellen.

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…das Szenario für unser Halloweenspiel wurde einfach so zusammenimprovisiert!

Hinzu kommt, dass es unwahrscheinlich ist, dass ein Szenario aufgrund des Kartenziehmechanismus, aufgrund unterschiedlicher Spielercharaktere, Ereignisse und so weiter jemals genau gleich verläuft.

Das Kampagnenspiel

…macht die Sache wie immer noch besser. Die Charaktere erhalten Erfahrungspunkte (XP) und Beute (normalerweise in Form von Silberstücken und/oder Tränken oder sogar Zaubersprüchen).

Auch zwischen den Szenarien gibt es eine breite Palette von Aktivitäten. Dazu gehört so ziemlich alles, was Helden in jedem anderen Rollenspiel tun würden: Nehmt an Wettbewerben im Bogenschießen teil, schließt euch für eine Weile der Stadtwache an und patrouilliert durch die Straßen, Glücksspiel, Taschendiebstahl, macht etwas PR-Arbeit für euren Charakter, stellt Nachforschungen über bestimmte Monster an, verzaubert eine Waffe, arbeitet Sie als Kammerjäger (d.h. geht in die Kanalisation und tötet 10 Riesenratten), schreibt eine Schriftrolle, lasst einen Charakter mit dem eines anderen Spielers Freundschaft knüpfen, und vieles mehr. Jeder Charakter darf zwischen Szenarien nur einer dieser Aktivitäten nachgehen (mit Ausnahme von „Zechen“ und „sich mit Lotterknäbchen/Freudenmädchen herumtreiben“ , die entweder für eine ultimative Erfrischung oder für einen fiesen Juckreiz in Kombination mit fiesen Kopfschmerzen im nächsten Spiel kombiniert werden können).

Diese sind natürlich allgemein gehalten und können so interpretiert werden, dass sie zu der spezifischen Kampagne und der Umgebung passen, die ihr spielt.

Sellswords spellslingers skirmish
(picture credit: Stormfront Studios and Strategic Simulations, Inc.. )

Die meisten dieser Aktivitäten sind mit einem Silberpreis verbunden, andere können durchgeführt werden, um etwas Geld zu verdienen. Einige geben euch einen kleinen Bonus auf das nächste Spiel, andere können andere Auswirkungen haben.

Natürlich kann man zwischen den Spielen auch Ausrüstung kaufen und verkaufen.

Fazit

Dieses Spiel gefällt mir sehr gut. Es ist ein bisschen ein seltsames Ding, aber kooperative Spiele wie dieses sind in den letzten zwei Jahren immer häufiger aufgetaucht. Der Vergleich zu Rangers of Shadow Deep bietet sich natürlich an, und ich muss sagen, dass mir Sellswords&Spellslingers etwas besser gefällt. Es ist etwas weniger vorhersehbar, vielseitiger und macht mir einfach ein bisschen mehr Spaß.

Sellswords spellslingers skirmish

Sellswords and Spellslingers hat den großen Vorteil, dass es nicht in einer bestimmten Umgebung oder einem bestimmten Spielstil angesiedelt ist. Für Spieler, die weniger daran gewöhnt sind, in ihrem Spiel die Initiative zu ergreifen, ist es deswegen vielleicht ein bisschen entmutigend. Hier helfen die Szenarien aus dem Buch. Wenn man erst einmal ein Gefühl für das Spiel bekommen hat, stehen alle Möglichkeiten offen.

Holt euchsich die Figuren (oder Marker), die ihr wollt, spielt, was immer ihr wollt. Die Spiele gehen sehr flott und haben einen exzellenten Spielfluss. Bisher war jedes Spiel aus dem einen oder anderen Grund unvergesslich. Es sind die kleinen Dinge, die passieren, und die kleinen chaotischen Momente, die das Drama und damit den Spaß in das Spiel bringen.

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Die Grundregeln sind wirklich einfach, doch dieses schon aus Song of Blades and Heroes bekannte Risiko-Belohnungs-System ist einfach so eine starke Kernmechanik. Dazu kommen noch Kleinigkeiten, wie z.B. dass jeder getötete Feind Beute abwirft, die eingesammelt werden kann. Gewöhnlich führt dieses „Ich weiß, wir sollten abhauen, aber diesen Beutemarker nehm ich noch schnell mit…“ zu katastrophalen Situationen.

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Sellswords and Spellslingers eignet sich hervorragend für ein unbeschwertes Mehrspieler-Spiel. Da es keine ‚feindliche Phase‘ als solche gibt, gibt es für die beteiligten Spieler so gut wie keine Wartezeiten.

Absolute Empfehlung.

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